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Festung Königstein – Geschichte und Sagen

Die Festung Königstein liegt auf einem Tafelberg rund 240 Meter über der Elbe, nur wenige Kilometer vom Bielatal entfernt. Das Plateau ist 9,5 Hektar groß, die Mauern sind bis zu 42 Meter hoch – eine der größten Bergfestungen Europas. Sie war Königsburg, Kloster, Festung und Staatsgefängnis und wurde nie im Kampf erobert.

Besuch heute

Oben auf dem 9,5 Hektar großen Felsplateau erwarten Sie über 50 historische Bauten und ein Rundweg an der Festungsmauer mit weitem Blick über das Elbtal. Die Dauerausstellung „In lapide regis“ erzählt seit 2015 in 33 Räumen 800 Jahre Geschichte. Im Brunnenhaus schauen Sie in den 152,5 Meter tiefen Brunnen, der von 1566 bis 1569 in den Fels getrieben wurde. Dazu kommen die Georgenburg, einst gefürchtetes Staatsgefängnis, und die Nachbildung des Riesenfasses.

Für Kinder

Für Kinder ist die Festung Geschichte zum Anfassen: An Medienstationen, Modellen und Objekten probieren sie selbst aus, setzen Ritterhelme auf und hantieren mit virtuellen Waffen. Der Audioguide erzählt kurze Geschichten aus dem Festungsleben. Draußen gibt es mit „Bastion Brixx“ einen Spielbereich mit Bausteinen, und in den Schulferien Mitmachangebote wie Verkleiden und Basteln.

Anfänge (Bronzezeit bis 1241)

Scherbenfunde belegen, dass der Tafelberg schon in der Spätbronzezeit (um 1000 v. Chr.) von Menschen aufgesucht wurde. Seit dem Ende des 11. Jahrhunderts stand im Nordwesten des Plateaus eine Höhenburg. 1233 nennt eine Urkunde König Wenzels I. von Böhmen einen „Burggraf Gebhard vom Stein“ als Zeugen. 1241 erscheint der Name erstmals: In der Oberlausitzer Grenzurkunde, die König Wenzel I. „in lapide regis“ – „auf dem Stein des Königs“ – besiegelte, also auf dem Königstein. Damals war die Burg böhmisch.

Kaiser Karl IV. (1359)

Vom 5. bis 19. August 1359 hielt sich Kaiser Karl IV. auf dem Königstein auf und unterzeichnete dort Schifffahrtsprivilegien für die Elbe. Danach wurde die Burg auch „Kaiserburg“ genannt.

Übergang an Sachsen (1408 und 1459)

In der Dohnaischen Fehde (1385–1408) eroberte der Markgraf von Meißen (Wilhelm der Einäugige) die Burg; 1408 fiel sie an die Mark Meißen und damit an die Wettiner. Endgültig sächsisch wurde der Königstein mit dem Vertrag von Eger vom 25. April 1459, der die sächsisch-böhmische Grenze festlegte – sie gilt im Kern bis heute.

Kloster und Georgskapelle (um 1500–1524)

Um 1500 erweiterte Herzog Georg der Bärtige die Burg um einen Südflügel mit Treppenturm; 1515 entstand die St.-Georgs-Kapelle an der Stelle der romanischen Burgkapelle (Reste der Kapelle um 1200 sind das älteste Bauwerk der Festung). 1516 gründete Georg ein Cölestinerkloster („Kloster des Lobes der Wunder Mariae“) mit zwölf Mönchen. Es wurde nach der Reformation wieder aufgelöst – laut Wikipedia 1524, laut Festungschronik 1542.

der Brunnen (1563–1569)

1563 ließ Kurfürst August einen Brunnen in den Fels treiben; die Arbeiten unter dem Freiberger Bergmeister Martin Planer (Wikipedia nennt Conrad König) dauerten bis 1569. Der Brunnen ist 152,5 m tief – der zweittiefste historische Brunnen Deutschlands nach dem auf der Reichsburg Kyffhausen. Täglich mussten neben dem Gestein acht Kubikmeter Wasser aus dem Schacht geschöpft werden. Im 18. Jahrhundert hieß er Augustusbrunnen. 1997 wurde er saniert: 160.000 Liter Wasser wurden abgepumpt, und erstmals seit 1569 standen wieder Menschen auf dem Grund. Heute wird das Wasserschöpfen im Brunnenhaus vorgeführt.

Ausbau zur Festung unter Christian I. (1589–1594)

1589 befahl Kurfürst Christian I. den Ausbau der Burg zur stärksten Festung Sachsens (die Stadt Königstein datiert die Anordnung auf 1587); Zeugmeister Paul Buchner leitete die Arbeiten. Bis 1594 entstanden das Torhaus mit der dreiflügeligen Fassade über der neuen Auffahrt (1589–1591), die Streichwehr zur Verteidigung des Tores mit fünf Kasematten (1591), zwei Lusthäuser – die Christiansburg, heute Friedrichsburg, und ein Lusthaus auf der Königsnase – sowie das Alte Zeughaus (1594). 1598 folgte das Gardehaus (heute Alte Kaserne), 1605 der Umbau der alten Burg im Norden. Der Wallgang ist 1.800 m lang, die Mauern sind bis zu 42 m hoch. Die meisten heute sichtbaren Bauten stammen aus den Jahren 1589 bis 1631.

Georgenburg, Magdalenenburg, Johannissaal (1619–1631)

Unter Kurfürst Johann Georg I. wurde 1619 die Johann-Georgenburg eingeweiht (Wohnbau des Kurfürsten, heute Georgenburg). 1622 entstand die Magdalenenburg als freistehendes Lustschloss – zugleich „fürstliches Quartier“ und Proviantmagazin; 1631 der Johannissaal als Festsaal (1816 zum Neuen Zeughaus umgebaut). 1610 wurde Festungskommandant Wolf Friedrich Beon wegen Unterschlagung und unerlaubten Holzeinschlags hingerichtet.

Barock (1639–1737)

1639 zogen schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg an der Festung vorbei und brannten die Stadt Königstein nieder – die Festung selbst blieb unbezwungen. 1667–1669 baute Wolf Caspar von Klengel die Johann-Georgen-Bastion vor der Georgenburg und gestaltete 1671–1676 die Garnisonskirche (St.-Georgs-Kapelle) um; sie wurde 1676 in Anwesenheit Kurfürst Johann Georgs II. geweiht. Zar Peter der Große besuchte die Festung 1698 und 1712. 1729–1735 wurde der Festungseingang tiefer gelegt und mit zwei Vorwerken versehen; 1737 schloss der Ingenieur-Architekt Jean de Bodt unter Kurfürst Friedrich August II. den Ausbau vorläufig ab (Kasernen, Pulvermagazine, bombensicheres Brunnenhaus).

das Riesenfass (1722–1725)

Auf Wunsch Augusts des Starken bauten Böttcher 1722–1725 im Keller der Magdalenenburg das Königsteiner Riesenfass. Es fasste laut Wikipedia 249.838 Liter, laut Festungschronik 238.600 Liter, und kostete 8.230 Taler, 18 Groschen und 9 Pfennige. Es wurde nur ein einziges Mal ganz gefüllt – mit Landwein aus der Meißner Gegend – und galt als das größte tatsächlich randvoll gefüllte Weinfass Europas. 1818/1819 musste es wegen Baufälligkeit entfernt werden.

Siebenjähriger Krieg (1756)

1756, zu Beginn des Siebenjährigen Krieges, kapitulierte die sächsische Armee am Fuß des Liliensteins kampflos vor den Preußen; Kurfürst Friedrich August II. musste es von der Festung aus mit ansehen. Er hatte sich mit dem Hof auf den Königstein zurückgezogen; die Festung wurde danach für neutral erklärt. Kommandant war seit 1753 Generalleutnant Michael Lorenz von Pirch. Die Dresdner Kunstschätze lagerten 1756 hier in Sicherheit.

Napoleon und das 19. Jahrhundert (1806–1895)

1806 wurde Sachsen Königreich und trat Napoleons Rheinbund bei; der Königstein wurde Bundesfestung. 1813 besichtigte Napoleon die Festung; im August 1813 war das Gefecht bei Krietzschwitz vor ihren Toren eine Vorentscheidung für die Schlacht bei Kulm und die Völkerschlacht bei Leipzig. Auch 1813 lagerten die Dresdner Kunstschätze hier. 1815 wurde der Königstein als einzige verbliebene sächsische Festung verstärkt. 1848 kletterte der Schornsteinfeger Sebastian Abratzky barfuß durch einen Felsspalt auf die Festung – die einzige bekannte „Eroberung“; er wurde verhaftet. 1854/55 entstand das Schatzhaus. 1866 fiel von der Festung der letzte Kanonenschuss auf eine preußische Patrouille, danach zog eine preußische Garnison ein. 1870/71 bauten französische Kriegsgefangene die Batteriewälle; nach der Eingliederung in das Festungssystem des Deutschen Reiches 1871 entstanden bis 1895 acht Geschützstellungen – die letzten großen Bauarbeiten.

Staatsgefängnis und berühmte Gefangene (1588–1922)

Von 1588 (Martin Mirus) bis zum 3. Juni 1922 war die Festung Sachsens bekanntestes Staatsgefängnis mit über 1.000 Gefangenen. Bekannte Häftlinge: Kanzler Nikolaus Krell (1591–1601), Großkanzler Wolf Dietrich von Beichlingen (1703–1709), Johann Friedrich Böttger, Miterfinder des europäischen Porzellans (1702 drei Monate, erneut 1706/07 auf Befehl Augusts des Starken), der Leipziger Bürgermeister Franz Conrad Romanus (1705–1746, über 40 Jahre), der livländische Staatsmann Johann Reinhold von Patkul (1706/07), der russische Anarchist Michail Bakunin (1849/50, nach dem Dresdner Maiaufstand), der Sozialdemokrat August Bebel (1872–1874 bzw. 1874 drei Wochen), der Schriftsteller Frank Wedekind (1899/1900) und der Karikaturist Thomas Theodor Heine (1899). Der letzte Staatsgefangene saß 1922 zehn Tage wegen eines Duells.

Weltkriege und Flucht des Generals Giraud (1913–1945)

1913 strich der Reichstag die Kommandantenstelle – das Ende des Festungsstatus. 1914–1918 war die Anlage Kriegsgefangenenlager für russische und französische Offiziere, 1920 wurde sie nach dem Versailler Vertrag weitgehend entwaffnet, 1921 Reichswehr-Kurlazarett. 1939–1945 war sie das Offizierslager Oflag IV-B für polnische, französische, britische, niederländische und amerikanische Offiziere und Generale. Dem französischen General Henri Giraud gelang 1942 die Flucht von der Festung in die Schweiz – als einzigem französischen General aus einem Offizierslager. Weitere Gefangene: die Generale René Prioux, Gustave Mesny (1945 von der SS ermordet), Henri Winkelman (Niederlande), Franciszek Kleeberg (Polen) und Tadeusz Komorowski, der 1944 den Warschauer Aufstand befohlen hatte. In den Kasematten lagerten ab Januar 1943 Dresdner Kunstschätze. 1945 übergab die Besatzung das Kommando den französischen Gefangenen, die Rote Armee richtete ein Lazarett ein.

DDR-Zeit und Museum (1949–1990)

1949–1955 diente die Festung als Jugendwerkhof, in dem straffällige oder politisch verdächtige Jugendliche „umerzogen“ werden sollten. Am 29. Mai 1955 übernahm das Ministerium für Kultur der DDR die Anlage und eröffnete sie als militärhistorisches Freilichtmuseum; 1957 wurde in fünf Gebäuden ausgestellt, darunter die mittelalterliche Steinbüchse „Faule Magd“. In den 1960er Jahren wurde das Kriegspulvermagazin von 1889/91 zum Zivilschutzbunker (Saalkasematte) umgebaut. 1967–1970 entstand der Aufzug für 42 Personen mit zwei Zwischenstationen, der Fahrzeuge bis 4,5 Tonnen befördert.

Sage Das Pagenbett

Hinter der Friedrichsburg gibt es einen schmalen Mauervorsprung über dem Abgrund, das „Pagenbett“. Am 12. August 1675 soll Karl Heinrich von Grunau, Leibpage des Kurfürsten Johann Georg II., nach einem Gelage betrunken durch eine Schießscharte hinausgestiegen sein, legte sich auf den Vorsprung und schlief ein. Am Morgen band man ihn vorsichtig mit Seilen fest, und auf Befehl des Kurfürsten weckte man ihn dann mit Pauken und Trompeten. Das Glück blieb ihm treu: Später sprang sein scheuendes Pferd mit ihm von der Dresdner Elbbrücke in den Fluss – er überlebte auch das und starb erst 1744 mit 106 Jahren.

Sage Der verschenkte Lilienstein

Eher ein Schwank als eine Sage: Der Kurfürst und der König von Preußen saßen beim Wein auf dem Königstein, und weil dem König die Festung so gefiel, schenkte ihm der Kurfürst kurzerhand den Lilienstein gegenüber. Als der König dort eine eigene Festung bauen wollte, bereute der Kurfürst das Geschenk und schickte den Kommandanten Kyau nach Berlin, um es zurückzuerbitten. Der König lachte und verzichtete – so blieb der Lilienstein sächsisch.

Sage Die Geister der Festung

Auf dem Königstein soll es nachts nicht geheuer sein. Beim Gedenkstein an der Königsnase, wo 1720 der Goldmacher Baron von Klettenberg geköpft wurde, will man ihn in alter Tracht umgehen gesehen haben. Und wer um Mitternacht den Luisenweg heraufkommt, sieht vor der Festung einen ungeheuer langen Mann in dunklem Mantel und Schlapphut, der um die Kirche geht und verschwindet, sobald man ihn anruft. Früher hieß es sogar, in der Kasernenstube Nr. 10 würden die Soldaten jedes Jahr am 9. September aus den Betten geworfen – als man einmal Wache hielt, passierte allerdings nichts.

Sage Der Gottesthaler

1683 brannte das Städtchen Königstein unter der Festung fast völlig ab. Eine arme Witwe mit drei Kindern verlor alles. Als sie am nächsten Tag an einer Felsquelle Wasser holte, fiel etwas Klingendes in ihre Kanne: ein Taler mit der Umschrift „Gott giebt, Gott nimmt!“. Das Zeichen gab ihr neuen Mut; sie zog mit den Kindern nach Dresden und fand dort ihr Auskommen.

Verbindungen zu anderen Orten

Als böhmische Königsburg bewachte der Königstein die Elbe, wie weiter flussaufwärts Tetschen und der Schreckenstein. 1426 eroberte der Vogt vom Königstein die Felsenburg Neurathen für Sachsen, und in der Dohnaischen Fehde floh der Burggraf von Dohna über den Königstein. Johann Friedrich Böttger saß hier 1706 und 1707 gefangen, bevor er in Meißen das Porzellan erfand, und das Riesenweinfass Augusts des Starken entwarf Pöppelmann, der Baumeister des Zwingers.

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