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Elbsandsteingebirge – wie es entstanden ist

Das Elbsandsteingebirge ist rund 700 Quadratkilometer groß und liegt an der Elbe zwischen Pirna und Děčín. Der deutsche Teil heißt Sächsische Schweiz, der tschechische Böhmische Schweiz. Höchster Gipfel ist der Hohe Schneeberg (Děčínský Sněžník) mit 723 Metern, gleich hinter der Grenze bei Rosenthal-Bielatal. Es gilt als größte Erosionslandschaft aus Kreidesandstein in Europa und wurde 2006 als einer der bedeutendsten Nationalen Geotope Deutschlands ausgezeichnet. Auch die Felsen rund um das Bielatal erzählen diese Geschichte – sie beginnt in einem Meer.

Das Kreidemeer

Lange war hier Festland – schon ab etwa 320 Millionen Jahren wurde das Gebiet verwittert und abgetragen; im Jura, vor etwa 180 Millionen Jahren, stand es nur kurz unter Wasser. Vor etwa 95 Millionen Jahren, in der Kreidezeit, senkte sich das Land, und von Westen drang ein flaches Meer vor. Es war eine Meerenge zwischen dem norddeutsch-polnischen Becken und dem Becken von Böhmen und Mähren, links und rechts lagen Inseln. Flüsse spülten rund acht Millionen Jahre lang Sand, Kies, Schluff und Ton hinein; am Meeresgrund wurden daraus mit der Zeit die Sandsteinschichten. In den untersten Lagen sammelten sich uranhaltige Tone – sie wurden von 1963 bis 1990 im Uranbergwerk Königstein abgebaut, ganz in der Nähe des Bielatals.

Schicht auf Schicht

Das Meer kam und ging mehrmals. Darum wechseln sich harte, sandig-kiesige Bänke von bis zu 120 Metern Dicke mit dünnen, weichen Ton- und Schlufflagen ab, die oft nur ein paar Zentimeter messen. Auf sächsischer Seite ist der Sandstein insgesamt bis zu 550 Meter mächtig, in Böhmen bis zu 600 Meter. Der Geologe Friedrich Lamprecht hat die harten Stufen von unten nach oben mit a bis e bezeichnet, die weichen Zwischenlagen mit α bis δ – so sprechen Geologen bis heute. Die jüngsten Schichten tragen heute die Winterberge, die Schrammsteine und Affensteine und als dünne Decke Lilienstein und Pfaffenstein; in Böhmen sind sie am Prebischtor erhalten. Als sich das Land wieder hob und das Meer abzog, blieb eine große, noch ungeteilte Sandsteinplatte zurück.

Granit schiebt sich darüber

Danach schob sich von Nordosten das Lausitzer Granitmassiv über die Sandsteinplatte, drückte sie nach unten, bis sie brach. Diese Bruchzone, die Lausitzer Überschiebung, verläuft von Pillnitz über Hohnstein und Hinterhermsdorf bis nach Krásná Lípa. Dabei wurden Schichten aufgerichtet – die Hohe Liebe verdankt ihre spitze Form Lagen, die bis zu 30 Grad schräg stehen, westlich des Wolfsbergs sind sie sogar überkippt. Ältere Gesteine kamen an die Oberfläche, etwa Jurakalk bei Zeschnig, Saupsdorf und Hinterhermsdorf, der früher gebrochen wurde. Am Südwestrand wurde die Platte an der Karsdorfer Störung um über 200 Meter angehoben; sie kippte, und die Elbe bekam mehr Gefälle.

Vulkane im Sandstein

Im Tertiär brodelte es ringsum: Vulkane formten das Böhmische Mittelgebirge und das Lausitzer Gebirge. Einzelne Magmaschlote durchstießen auch die Sandsteintafel und erstarrten zu Basalt. So entstanden die Kegelberge mitten im Sandstein – der Rosenberg (Růžovský vrch) in Böhmen, der Cottaer Spitzberg, der Raumberg sowie der Große und Kleine Winterberg. Man erkennt sie bis heute an ihrer runden Kuppenform und am dichteren Wald auf dem fruchtbaren Basaltboden.

Die Elbe gräbt sich ein

Weil die Platte gehoben und gekippt wurde, schnitt sich die Elbe immer tiefer ein und schuf ihr Tal mit den steilen Wänden; die Bäche taten es ihr in den Seitentälern nach – so entstanden die Gründe, auch das Tal der Biela. In den Eiszeiten wechselte der Fluss mehrmals seinen Lauf, mit geringerem Gefälle wurde sein Bett breiter. Bei Schmilka reicht der Einschnitt bis in die unterste Sandsteinstufe, und gegenüber zeigen die Schrammsteine die ganze Schichtenfolge von unten bis oben – wie ein aufgeschlagenes Geschichtsbuch.

Wie die Felsen ihre Formen bekommen

Kieselig gebundene, harte Bänke bilden Wände und Klippen, die weichen tonigen Lagen dazwischen Terrassen, Felsbänder und Hohlkehlen. Senkrechte Klüfte durchziehen den Stein in zwei Richtungen und zerlegen ihn in Quader – der Geologe Bernhard Cotta beschrieb das schon 1839, die Steinbrecher nannten diese Klüfte „Loose“. Wasser, Frost, Salz, Wind, Flechten und Mikroben formen daraus Türme, Kamine, Spalten, Sanduhren und Waben – die Wabenverwitterung sieht man an vielen Felsen im Bielatal. Wo eine weiche Schicht ausgespült wird, entstehen Überhänge und Schichtfugenhöhlen; die Kletterer übernachten darunter in ihren „Boofen“. Ob die Rinnen an manchen Felsköpfen echter Karst sind, darüber streiten die Geologen bis heute.

Sandstein als Baustein

Rund tausend Jahre lang wurde hier Sandstein gebrochen, und das hat die Landschaft an vielen Stellen sichtbar verändert – manche Felswand an der Elbe ist ein alter Steinbruch. Die natürlichen Klüfte halfen den Steinbrechern, ganze Wände abzulösen und Blöcke zuzurichten. Verschifft auf der Elbe, wurde der Elbsandstein zu einem der bekanntesten Bausteine Mitteleuropas; aus ihm sind unter anderem die Dresdner Frauenkirche und der Zwinger gebaut.

Baumaterial direkt vom Hang

Für die Menschen hier war Sandstein früher das billigste Baumaterial überhaupt – darum sind die meisten alten Häuser in der Gegend daraus gebaut, auch das Hammergut Neidberg; an seinen Mauern sieht man es bis heute schön. Die Steine wurden direkt am Hang abgetragen und gleich an Ort und Stelle verbaut. Kürzere Lieferketten gibt es kaum – so baute man sehr effizient, mit dem, was die Landschaft vor der Haustür hergab.

Verbindungen zu anderen Orten

Die Festung Königstein, Lilienstein und Pfaffenstein sind Tafelberge – Reste der alten Sandsteinplatte, die stehen blieben, als ringsum alles abgetragen wurde. Die Burg Stolpen dagegen steht auf einem Basaltberg, einem Vulkanschlot wie die Kegel des Böhmischen Mittelgebirges. Die Hickelhöhle im Großen Zschand ist eine typische Schichtfugenhöhle, und das Jagdschlösschen Kristin Hrádek liegt am Fuß des Hohen Schneebergs, des höchsten Gipfels des Gebirges.

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