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Schweizermühle – Geschichte und Sagen

Nur ein kurzes Stück die Biela hinauf liegt die Schweizermühle – im 19. Jahrhundert ein berühmter Kurort. Aus einer alten Mühle wurde 1837 eine Kaltwasserheilanstalt mit Kurhäusern im Schweizer Stil, Villen und romantischen Felsgärten; Kronprinzessin Victoria von Preußen und Sachsens König kamen zur Sommerfrische. Heute ist sie Ausgangspunkt für Wanderungen und Kletterfelsen, und zwischen den Bäumen entdecken Sie noch die Spuren des alten Bades.

Der Name: von der Oberhüttenmühle zur Schweizermühle

Hier stand einst das Hammerwerk Oberhütten mit einer Mühle; eine Sägemühle wird 1567 erwähnt. Ab 1800 führte Müller Johann Gottlob Geißler die Mühle, und schon damals kehrten Reisende wie Wilhelm Leberecht Götzinger und Carl Heinrich Nicolai ein, die ersten „Werber“ der Sächsischen Schweiz. Am 20. Juni 1824 wurde die Oberhüttenmühle auf Anregung des Heimatforschers Carl Merkel feierlich in „Schweizermühle“ umbenannt.

Die Kaltwasserheilanstalt

1837 richtete Müller Geißler eine Kaltwasserheilanstalt ein – anfangs mit einfachen Wannen- und Sturzbädern direkt an der Biela. Kaltes Quellwasser galt damals als Heilmittel gegen allerlei Leiden. Es folgten 1838 das Alte Kurhaus, 1842 ein zweites Kurhaus und 1866 das Gesellschaftshaus mit Kursaal; in den 1870er-Jahren gab es 177 Gästezimmer, die im Sommer voll belegt waren.

Kurleben und Technik

Nach einem Brand 1886 entstand 1888/89 ein neues Badehaus mit Wellenbad, Schwimmbecken, Wannenbädern, Brausen und einer Wohnung für den Badearzt. Ab 1894 erzeugte eine Turbine an der Biela elektrischen Strom für die Kuranlage – damals eine kleine Sensation im Tal. Von 1887 bis etwa 1900 hatte der Kurort sogar eine eigene Kaiserliche Poststelle mit Telegrafenamt.

Berühmte Kurgäste

1878 kam die preußische Kronprinzessin Victoria – älteste Tochter der britischen Queen Victoria und später „Kaiserin Friedrich“ – in die Schweizermühle. Auch Sachsens letzter König, Friedrich August III., besuchte den Kurort bis 1911 mehrmals, überhaupt war die sächsische Königsfamilie hier zu Gast. Der Komponist Erik Meyer-Helmund soll 1889 zur Kur hier gewesen sein. Wohlhabende Stammgäste ließen sich sogar eigene Villen bauen.

Maler, Wanderer und Kletterer

Schon bevor das Bad entstand, zog das Tal Künstler an: 1822 radierte Ludwig Richter den „Bielergrund bei den Oberhütten“, genau hier. Im Herbst 1890 kam der Bergsteiger Oscar Schuster, einer der Pioniere des sächsischen Kletterns, zu seinen ersten Touren in die Felsen rund um die Schweizermühle – das Bielatal ist bis heute ein Klettergebiet mit über 200 Gipfeln.

Villen und romantische Gärten

Um 1846 ließ der Schwede Carl Martin Bergwal eine Villa mit Park anlegen – den „Schwedengarten“ mit künstlichem Ruinenturm. 1868/69 entstand die Turmvilla, die ab 1875 dem Dresdner Schokoladenfabrikanten Jordan gehörte (Jordan & Timaeus) – daher „Villa Jordan“. 1890/91 stiftete die Gerichtsrätin Hahnewald die neugotische Waldkapelle, und der Fabrikant Dölitzsch legte zu Ehren seiner Mutter einen Felsgarten an.

Die Bahn, die nie ankam

Ab 1901 fuhr die „Gleislose Bielathal-Motorbahn“ – einer der ersten Oberleitungsbusse überhaupt – von Königstein ins Bielatal bis zum Kurbad Königsbrunn. Eine Verlängerung bis zum Kurhaus Schweizermühle war beantragt, wurde aber nie gebaut; schon 1904 wurde die Bahn wieder eingestellt.

Maggi und danach

1912 musste der letzte Betreiber der Kuranstalt Konkurs anmelden. Die Maggi-Gesellschaft machte daraus ein Erholungsheim für ihre Mitarbeiter und legte 1929 bis 1932 einen Gedächtnishain für gefallene Kollegen an. Nach dem Krieg folgten eine Tuberkulose-Heilstätte und ab 1968 ein Altersheim, das 1992 schloss; danach verfielen viele Gebäude.

Was heute noch zu sehen ist

Das Alte Kurhaus von 1838 wurde 2009 abgerissen, und 2013 stürzten weitere Gebäudeteile ein – seit 2005 kümmern sich ein Förderverein und Privatleute um das Ensemble. Zu sehen sind noch die Villa Jordan mit ihrem Uhrenturm und Park, die Waldkapelle von 1891, das Badehaus mit Turbinenhaus und die gefasste Sophienquelle. Der Rundweg Schweizermühle – Ottomühle – Grenzplatte führt daran vorbei.

Sage Sage vom Franzosenschatz im Glasergrund

Im Glasergrund bei der Ottomühle, oberhalb der Schweizermühle, sollen französische Soldaten 1813 einen Schatz vergraben haben. Ein Mann aus dem Nachbardorf sah ihn eines Tages offen liegen – Silbermünzen, aufgetürmt wie ein Bienenkorb. Doch eine unsichtbare Kraft hielt ihn fest, er kam nicht heran. Als er später mit einem Freund zurückkam, war da nur noch ein leeres Loch.

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Stand: 09/2026

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