Deutsch · English · Français · Čeština · Nederlands · Polski · Italiano
Schlachtfelder
Rund um Pirna liegen Orte, an denen europäische Geschichte entschieden wurde. Bei Kesselsdorf westlich von Dresden besiegten die Preußen am 15. Dezember 1745 die Sachsen und Österreicher – das entschied den Zweiten Schlesischen Krieg, zehn Tage später folgte der Frieden von Dresden. Im Spätsommer 1813 wurde die alte Poststraße Dresden–Teplitz zum Kriegsschauplatz: Am 26. August hielt Prinz Eugen von Württemberg bei Krietzschwitz den französischen General Vandamme auf, dann ging es über Berggießhübel, Hellendorf und Peterswald bis zur Schlacht bei Kulm am 29./30. August. Hellendorf und Markersbach – nur wenige Kilometer vom Hammergut – lagen bis in den Herbst 1813 mitten im Aufmarschgebiet und litten schwer unter Plünderung, Bränden und Seuchen.
Krietzschwitz: Folgen und das Eugen-Denkmal
Die Zeit, die die Russen bei Krietzschwitz und auf dem Rückzug gewannen, hatte große Folgen: Die geschlagene Hauptarmee der Verbündeten entkam nach Böhmen, und Vandamme lief am 29./30. August bei Kulm in eine Niederlage – er selbst und viele Tausend Franzosen gerieten in Gefangenschaft. Napoleons Sieg bei Dresden war damit zu großen Teilen wertlos. Gekämpft wurde auf der ganzen Hochfläche südlich von Pirna. In Krietzschwitz erinnert ein Denkmal an den Herzog: „Herzog Eugen von Württemberg kämpfte hier am 26. August 1813 siegreich gegen Vandamme.“ Es ist frei zugänglich – gleich im Ort liegen auch Kerzenträume und Obstscheune.
Hellendorf im Siebenjährigen Krieg
Hellendorf liegt an der alten Straße nach Böhmen – und war deshalb immer wieder Durchzugsort für Armeen. Laut Ortschronik zogen 1756 preußische Truppen hier zur Schlacht bei Lobositz und kamen nach dem Sieg auf demselben Weg zurück; 1757 marschierte Friedrich der Große mit seinem Heer nach Böhmen. Dabei wurden „mit aller Gewalt“ Getreide, Heu und Grummet aus den Scheunen geholt, im Herbst folgten schwere Einquartierungen und Lieferpflichten für die Lager bei Cotta, Hellendorf und Peterswald. Für 1758/59 schildert ein Bericht aus dem benachbarten Gottleuba verwüstete Felder, geschlachtetes Vieh, Ruhr und „Lazarettfieber“. Ein eigenes Gefecht direkt bei Hellendorf ist für diese Zeit nicht belegt.
Hellendorf im Schicksalsjahr 1813
Die Hellendorfer Chronik verzeichnet am 22. August 1813 den „1. feindlichen Überfall“: Das Heer der Verbündeten überschritt bei Peterswald die Grenze und zog gegen Hellendorf. Nach dem Gefecht bei Pirna verfolgte Vandamme die Russen über Berggießhübel und Hellendorf – am 28. August notierte die Chronik „alles geplündert und demoliert“. Am 29. August griff Vandamme Peterswald an, am 30. wurde er bei Kulm geschlagen. Im September kamen die Franzosen zurück: Am 14. September wurde Lobaus Korps bei Berggießhübel angegriffen, und vom 15. bis 17. September führte Napoleon selbst einen Gegenstoß über Berggießhübel und Peterswald; die Nacht zum 17. verbrachte er in Peterswald.
Was der Krieg Hellendorf kostete
Laut Chronik lagen die Franzosen 16 Wochen lang am Hutstein beim Kulmer Steig, und Hellendorf musste das Lager mitversorgen. Am Ende hatte der Ort 335 Stück Vieh verloren und Lieferungen im Wert von 26.964 Talern geleistet; im Februar 1814 gab es im ganzen Dorf noch 2 Pferde, 3 Ochsen, 13 Kühe und einen Stier. Von 27 Häusern waren 12 abgebrannt oder abgerissen, und bis zum Frühjahr 1814 starben 71 Menschen an Ruhr und „Nervenfieber“ – zwei Fünftel der Einwohner. Als König Friedrich August 1815 aus der Gefangenschaft zurückkehrte, empfing ihn Hellendorf trotzdem mit einer großen Ehrenpforte.
Markersbach im Bahratal
Markersbach liegt im Tal der Bahra und wird 1363 erstmals erwähnt; 1970 bildete es mit Hellendorf die Gemeinde Bahratal, seit 1999 gehört es zu Bad Gottleuba-Berggießhübel. Ein eigenes „Gefecht bei Markersbach“ ist in den Quellen nicht belegt – aber das Dorf lag 1813 mitten im Aufmarschgebiet an der Teplitzer Straße, und laut Ortsgeschichte litten die Bewohner unter „Not und Elend, Zerstörungen und Plünderungen“. In den kleinen Hammerorten der Gegend wurden laut Hellendorfer Chronik in Cratza 3 von 15 und in Kleppisch 2 von 5 Häusern zerstört. Ganz in der Nähe übernachtete Napoleon vom 10. auf den 11. September 1813 in Breitenau – an der Kirche erinnert die „Napoleoneiche“ daran.
Schlacht bei Kesselsdorf 1745
Am 15. Dezember 1745 trafen westlich von Dresden die Preußen unter Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau, dem „Alten Dessauer“, auf die Sachsen und Österreicher unter Feldmarschall Graf Rutowski. Kesselsdorf war durch starke Batterien geschützt, auf dem Feld lagen Schnee und Eis. Zwei preußische Angriffe auf das Dorf scheiterten unter furchtbaren Verlusten. Als sächsische Grenadiere den Abziehenden nachsetzten, warf die preußische Kavallerie sie zurück, die Preußen drangen mit ihnen ins Dorf ein und nahmen die Batterien; zugleich griff Prinz Moritz von Anhalt-Dessau auf dem anderen Flügel an. Bei Einbruch der Nacht brach die sächsische Linie zusammen.
Kesselsdorf: Frieden von Dresden
Auf jeder Seite standen rund 30.000 Mann – die genauen Zahlen gehen in den Quellen auseinander. Die Preußen verloren etwa 5.000 Tote und Verwundete, die Sachsen und Österreicher rund 3.800 und dazu etwa 6.700 Gefangene. Die Sachsen gaben Dresden auf, am 18. Dezember zog Friedrich der Große ein, und am 25. Dezember 1745 wurde der Frieden von Dresden geschlossen, der den Zweiten Schlesischen Krieg zugunsten Preußens beendete – die St.-Katharinen-Kirche Kesselsdorf läutet bis heute zur Friedensstunde. Für den Alten Dessauer war Kesselsdorf der letzte Sieg; der Marsch „Der Kesselsdorfer“ trägt den Namen der Schlacht.
Stand: 10/2026
Fragen Sie TOURsten weiter
TOURsten erzählt gern weiter, findet die passende Wanderung und plant mit Ihnen den Urlaubstag – kostenlos und in sieben Sprachen.
TOURsten fragen