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Pirnaisches Elend

Im Frühjahr 1639 erlebte Pirna die dunkelste Zeit seiner Geschichte. Der schwedische Feldmarschall Johan Banér zog mit seinem Heer durch Sachsen nach Böhmen; nach kurzer Belagerung stürmten die Schweden am 23. April 1639 die Stadt. Was folgte, heißt bis heute das „Pirnaische Elend“: Plünderung, Mord und fünf Monate Besatzung. Nur die Festung Sonnenstein über der Stadt hielt durch – und am Ende rettete ein Apotheker Pirna vor der Zerstörung.

Der Seitenwechsel von 1635

Im Dreißigjährigen Krieg hatte Sachsen zunächst an der Seite Schwedens gekämpft. Mit dem Prager Frieden vom 30. Mai 1635 wechselte Kurfürst Johann Georg I. zum Kaiser – für die Schweden war Sachsen nun Feindesland. Am 14. April 1639 schlug Banér die Sachsen bei Chemnitz, scheiterte vor Freiberg und zog dann elbaufwärts Richtung Böhmen. Der Weg führte an Pirna vorbei.

Die Verteidigung

Schon im März 1638 hatte der Kurfürst Oberstleutnant Johann Siegmund von Liebenau den Befehl über Burg und Stadt Pirna gegeben. Liebenau ließ die Mauern ausbessern und – damit der Feind keine Deckung fand – die äußeren Häuser der Vorstädte rund um den Stadtgraben niederbrennen, dazu die Nikolaikirche und die Siechenhäuser: Die Pirnaer opferten ihre Vorstädte selbst. Zur Verteidigung standen etwa 500 Soldaten bereit, dazu bewaffnete Bürger an Mauern und Toren.

Der Sonnenstein hält

Liebenau lehnte jede Aufforderung zur Übergabe ab. Die Schweden beschossen den Sonnenstein, ein Sturmangriff scheiterte – eingenommen wurde die Festung nie. Banér selbst zog im Mai weiter nach Böhmen, aber Regimenter blieben in Pirna zurück; die Besatzung dauerte bis Ende September 1639, rund fünf Monate. Nach der alten Chronik blieb von etwa 900 Bürgern kaum ein Drittel – so jedenfalls erzählt es der Heimatforscher Störzner 1904.

Der Retter: Apotheker Jacobäer

Im September 1639 ging das Gerücht, die Schweden wollten Pirna vor ihrem Abzug ganz zerstören. Da ritt Theophilus Jacobäer, der Apotheker der Löwenapotheke am Markt, nach Dresden zur Kurprinzessin Magdalena Sibylle. Er kam mit einem Schreiben von ihr zurück und übergab es Banér – und Pirna blieb stehen. An seinem Haus am Markt erinnert eine Gedenktafel an ihn, eine Straße trägt seinen Namen – und jedes Jahr im September spielen die Pirnaer seine Rettungstat auf dem Marktplatz nach: das Heimatspiel „Der Retter“.

Die Nachbarn: Königstein, Hohnstein, Stolpen, Bielatal

Auf ihrem Zug nach Böhmen brannten die Schweden 1639 die Stadt Königstein nieder; die Festung darüber wagten sie nicht anzugreifen. Die Burgen Hohnstein und Stolpen hielten schwedischen Belagerungen stand. Im Bielatal wurde der Hammer Reichstein gebrandschatzt und erst 1660 wieder aufgebaut, das Vorwerk Hermsdorf zerstört. Der Sage nach floh 1639 eine junge Frau vor Banérs Soldaten auf den Bärenstein bei Thürmsdorf und sprang hinab – der Ort heißt seither „Jungfernsprung“.

Danach und heute

Bis 1644 ließ Liebenau Schlosshof, Brunnen, Tore und Mauern wieder herrichten; der Wiederaufbau der Stadt dauerte Jahre. Für Sachsen endete der Krieg mit Schweden erst mit dem Waffenstillstand von Kötzschenbroda am 27. August 1645. Spuren heute: die Kanonenkugel in der Marienkirche, die Jacobäer-Tafel am Markt und der Sonnenstein, den die Schweden nie bekamen. Auf der Festung Königstein spielen Darsteller im Juni die Schwedenzeit beim Historienspektakel nach – Termin bitte vorher prüfen.

Stand: 10/2026

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