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Napoleon 1813
Im Herbst 1813 lag unsere Gegend mitten im Krieg: Napoleon kämpfte gegen Russen, Preußen und Österreicher, und die Wege zwischen Dresden und Böhmen führten genau hier entlang – über Pirna, Königstein, Gottleuba und die Pässe bei Peterswald und Nollendorf. Napoleon besichtigte im Juni die Festung Königstein, im August wurde bei Krietzschwitz und Kulm gekämpft, und im September war der Kaiser tagelang selbst in der Nähe – in Liebstadt, Pirna, Gießhübel und auf der Nollendorfer Höhe. Für die Dörfer bedeuteten diese Monate Einquartierung, Plünderung und Seuchen.
Die Festung und die Brücken
Am 20. Juni 1813 besichtigte Napoleon die Festung Königstein, gut eine Stunde lang – die angebotene Sänfte für den Abstieg lehnte er ab. Danach ließ er eine Heerstraße von Stolpen zur Elbe bauen, die „Kaiserstraße“, und zwei Schiffbrücken über die Elbe bei Königstein schlagen. Um sie zu schützen, entstand am Lilienstein ein befestigtes Lager; die Festung gab dafür 22 Kanonen ab. Ab August lagen 485 französische Soldaten auf dem Königstein, am 6. Oktober 1813 zogen sie ab. In diesem Jahr lagerten auch die Dresdner Kunstschätze in der Festung.
Das Gefecht bei Krietzschwitz
Am 26. August 1813, während der Schlacht bei Dresden, kam General Vandamme mit seinem Korps über die Königsteiner Brücken ans linke Elbufer. Bei Krietzschwitz und Zehista, kurz vor Pirna, stellte sich ihm Prinz Eugen von Württemberg auf russischer Seite entgegen und hielt ihn auf. Die Verbündeten zogen sich danach nach Böhmen zurück – aber der Aufenthalt kostete Vandamme Zeit. In Krietzschwitz erinnert ein Denkmal an Eugen von Württemberg.
Die Schlacht bei Kulm
Vandamme setzte den Verbündeten über das Gebirge nach – durch Hellendorf und Peterswald (Petrovice) hinunter nach Böhmen. Am 29. und 30. August 1813 kam es bei Kulm (Chlumec) und Priesten (Přestanov) zur Schlacht. Russen unter Ostermann-Tolstoi hielten stand, und dann fiel ihm das preußische Korps von General Kleist über die Nollendorfer Höhe in den Rücken. Vandamme geriet in Gefangenschaft, mit ihm Tausende Soldaten – nach Wikipedia bis zu 12.000. Kleist durfte sich fortan „Kleist von Nollendorf“ nennen. Kulm gilt als eine der Vorentscheidungen vor der Völkerschlacht bei Leipzig.
Napoleon ganz in der Nähe
Im September 1813 versuchte Napoleon selbst, über das Gebirge nach Böhmen durchzubrechen. Am 9. September übernachtete er im Schloss Kuckuckstein in Liebstadt – beim Hausherrn Carl Adolf von Carlowitz, einem Gegner Napoleons; der Kaiser soll stundenlang in dessen Bibliothek gelesen haben. Danach war er in Breitenau, in Peterswald – dort schlief er im Pfarrhaus –, auf der Nollendorfer Höhe und in Gießhübel. In Pirna wohnte er am Markt 20 (11./12. und 18.–21. September), dort hängt eine Gedenktafel. Am 17. September griff er bei Kulm noch einmal an, wurde abgewiesen und zog sich zurück; Anfang Oktober brach er nach Leipzig auf.
Am Napoleonstein und bei uns im Bielatal
Im September 1813 lag ein großes französisches Lager auf der Breiten Heide bei Langenhennersdorf, gesichert durch Schanzen – Reste heißen heute „Franzosenschanzen“. Der Langenhennersdorfer Rittergutsbesitzer Zeis schrieb eine Begegnung mit Napoleon am 15. September 1813 auf. Vom Napoleonstein soll der Kaiser seine Truppen beobachtet haben, und eine russische Kanonenkugel soll ihn knapp verfehlt haben – das ist Überlieferung. Belegt ist: In Rosenthal plünderten Kosaken den Ort und die Kirche schwer. Hellendorf erlebte 1813 siebzehn Gefechte, am Hutstein lag 16 Wochen lang ein französisches Lager.
Pirna und der Sonnenstein
Pirna wechselte 1813 mehrmals den Besitzer. Die Franzosen besetzten den Sonnenstein und bauten ihn wieder zur Festung aus – die erst 1811 eröffnete Heilanstalt musste geräumt werden, ihr Arzt Ernst Gottlob Pienitz brachte die rund 250 Kranken in der Stadt unter. Abrisse und der Beschuss durch Österreicher und Russen richteten große Schäden an. Erst nach der Kapitulation Dresdens am 11. November 1813 zog die Besatzung ab. In der Stadt lagen rund 2.000 Kranke und Verwundete, Typhus raffte viele Einwohner hin, und an den Kriegsschulden trug Pirna über 30 Jahre.
Der Preis für die Dörfer
Was der Krieg für die Menschen hieß, zeigen die Ortschroniken: In Hellendorf brannten sieben Häuser, Pferde, Ochsen und Kühe wurden weggetrieben, und bis zum Frühjahr 1814 starben 71 Einwohner – zwei Fünftel des Dorfes – an Ruhr und Lazarettfieber. In Peterswald starben zwischen Oktober 1813 und Sommer 1814 etwa 200 Menschen an Seuchen. Das Rittergut Langenhennersdorf, in dem Offiziere gehaust hatten, musste 1818 versteigert werden.
Spuren, die Sie heute besuchen können
Der Napoleonstein bei Langenhennersdorf ist ein Aussichtspunkt mit Bank und Infotafeln. In Pirna hängt die Gedenktafel am Markt 20, in Liebstadt ist im Schloss Kuckuckstein das „Napoleonzimmer“ wieder eingerichtet. Am Lilienstein finden sich Reste der Schanzen und der „Franzosenborn“, bei Hohburkersdorf steht die Napoleonlinde. Drüben in Böhmen verbindet ein Lehrpfad mit elf Stationen die Denkmäler des Kulmer Schlachtfelds – das preußische nach Schinkels Entwurf, das österreichische Obelisk, das russische Denkmal in Přestanov –, in Nakléřov (Nollendorf) steht das Kleist-Denkmal. Jedes Jahr Ende August wird die Schlacht bei Kulm in Chlumec und Přestanov nachgestellt.
Schon 1809: die Schwarze Schar
Schon vier Jahre vorher zogen Truppen über unsere Pässe: Im Mai 1809 kam die „Schwarze Schar“ des Herzogs von Braunschweig, der gegen Napoleon kämpfte, durch Hellendorf und Peterswald. Weil die Peterswalder die geforderte Kriegssteuer nicht zahlen konnten, plünderten sächsische Truppen am 25. Mai 1809 das Dorf.
Stand: 10/2026
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