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Kristin Hrádek – Geschichte

Kristin Hrádek (Christianenburg) ist ein kleines Jagdschloss aus dem 18. Jahrhundert direkt an der Grenze zwischen Böhmen und Sachsen, im Wald zwischen Rosenthal-Bielatal, dem Hohen Schneeberg und Děčín. Bis 1945 war es das Jagdschloss der Grafen und späteren Fürsten Thun-Hohenstein von Tetschen, dann staatliches Forsthaus im Grenzgebiet; seit 2009 ist es saniert und ein beliebtes Ausflugsziel mit bekanntem Wildrestaurant.

Ein Jagdschloss für Maria Kristina

Errichtet hat das Jagdschlösschen die Familie Thun, Herren auf Tetschen: Graf Jan Josef Thun-Hohenstein ließ es nach tschechischen Quellen 1734/35 mitten in seinen wildreichen Grenzwäldern bauen und benannte es nach seiner Ehefrau Maria Kristina, einer geborenen Gräfin von Hohenzollern – daher Kristin Hrádek, die „Kristinen-Burg“, deutsch Christianenburg. Zur gleichen Zeit, in den 1730er-Jahren, entstand in Bodenbach ein großer Jagdhof mit Jagdzeughaus und Hundezwinger, später Sitz der Thunschen Forstverwaltung – heute sind dort das Museum Děčín und das Staatsarchiv.

Grenzwächter Pankratius Müller

Um die Grenze zwischen der Herrschaft Tetschen und Sachsen wurde im 17. und 18. Jahrhundert lange gestritten; zeitweise war sie sogar mit einem Zaun gesichert, damit das Wild nicht hinüberwechselte. Ein Bericht von 1767 erzählt, dass Graf Thun an der Christianenburg einen Grenzwachposten einrichten ließ: Ein gewisser Pankratius Müller bewachte die Grenze zu Sachsen, schützte die gräflichen Wälder vor Holz- und Wilddieben und passte auf das Schlösschen auf. Daneben stand wohl von Anfang an ein Hegerhaus mit einer kleinen Wirtschaft, in dem zwei Förster wohnten. Das 18. Jahrhundert gilt als die Glanzzeit der Jagd.

Kronprinzen auf der Jagd

Graf Franz Anton von Thun und Hohenstein (1786–1873) führte die Herrschaft nach modernen Grundsätzen, förderte Schulen und Industrie und machte sie zu einer der am besten verwalteten in Böhmen. Sein Enkel Franz Anton (1847–1916), böhmischer Statthalter, österreichischer Ministerpräsident und ab 1911 Fürst, machte das Revier zu einem beliebten Jagdgebiet des Adels: Schwarzenberg, Lobkowicz und Nostitz jagten hier – und sogar Kronprinz Rudolf und Thronfolger Franz Ferdinand d’Este, dem eine fast krankhafte Jagdleidenschaft nachgesagt wurde. Für den letzten Thun-Besitzer, Fürst Franz Anton (1890–1973), war die Christianenburg in den 1930er- und 1940er-Jahren vor allem Sommersitz.

Kriegsende und Grenzgebiet

Am Kriegsende 1945 plünderten Truppen der Wlassow-Armee das Schlösschen und die Wälder. Der Thunsche Besitz kam unter Nationalverwaltung, die Familie musste Böhmen nach über drei Jahrhunderten verlassen, Wald und Gebäude gingen an die staatlichen Forstbetriebe. 1948 wurde das Hegerhaus umgebaut. Anfang der 1950er-Jahre wurde die Grenze zur DDR schärfer bewacht: Die Christianenburg lag nun im militärisch kontrollierten Grenzgebiet und verfiel, Forstarbeit war nur unter Aufsicht erlaubt, die Jagdreviere wurden aufgelöst – so blieb es bis 1966.

Verfall und Rettung

In den 1970er-Jahren wurde das verfallene Gebäude teilweise instand gesetzt, damit die Forstbetriebe es für gesellschaftliche Anlässe nutzen konnten; Anfang der 1990er-Jahre folgten weitere Umbauten. 2009 kaufte die Gesellschaft Kristin Hrádek das Anwesen von den tschechischen Staatsforsten (Lesy ČR) und ließ es behutsam in seiner ursprünglichen Form sanieren – heute mit einem Wildrestaurant, das 2016 beim tschechischen Restaurantführer „Maurerův výběr Grand Restaurant“ den zweiten Platz belegte. Tom und Katrin empfehlen es ausdrücklich.

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