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Die k.u.k.-Zeit

Bis 1918 gehörte die Böhmische Schweiz zum Kaiserreich Österreich – ab 1867 zur Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, der „k.u.k.“-Zeit. Gleich hinter unserer Grenze regierten Kaiser Franz Joseph und große Adelsfamilien wie die Thun in Tetschen, die Clary-Aldringen in Herrnskretschen und die Kinsky in Dittersbach. Sie machten aus ihren Wäldern und Felsen eines der frühesten Ausflugsziele Europas: mit dem Hotel am Prebischtor, den Kahnfahrten durch die Klammen und Aussichtstürmen. Die Menschen sprachen meist deutsch, die Eisenbahn verband Dresden mit Bodenbach, und Tetschen wurde Industriestadt an der Elbe.

Woher der Name kommt

Den Namen „Böhmische Schweiz“ bildete man im 18. Jahrhundert nach dem Vorbild der „Sächsischen Schweiz“ – er soll auf die Schweizer Maler Adrian Zingg und Anton Graff zurückgehen, die sich hier an ihre Heimat erinnert fühlten; sicher belegt ist das nicht. Richtig erschlossen wurde die Gegend erst im 19. Jahrhundert.

Das Falkennest am Prebischtor

Am Prebischtor, dem größten Felsentor Europas, stand schon 1826 ein kleines Gasthaus. 1881 ließ Fürst Edmund von Clary-Aldringen es durch das Hotel „Falkennest“ mit 50 Betten ersetzen, gebaut mit italienischen Handwerkern. Das Tor selbst darf seit 1982 wegen der Erosion nicht mehr betreten werden.

Die Klammen von Herrnskretschen

Für die Kahnfahrten durch die Klammen der Kamnitz bei Hřensko (Herrnskretschen) ließ Fürst Edmund Clary bis zu 200 italienische Arbeiter Wege, Stege und kleine Wehre bauen. Am 4. Mai 1890 wurde die Stille Klamm – heute Edmundsklamm – feierlich eröffnet; die Fährleute trugen Matrosenuniform. 1898 folgte die Wilde Klamm. Vor dem Zweiten Weltkrieg fuhren 14 und 7 Kähne. Der Sage nach haben fünf mutige Burschen die Klamm als Erste durchfahren – wegen einer Wette.

Türme und Aussichten

1864 ließ Graf Franz Anton Thun auf dem Hohen Schneeberg (Děčínský Sněžník) den steinernen Aussichtsturm bauen, entworfen von einem Dresdner Architekten. Er diente als trigonometrischer Punkt für die Landvermessung von Österreich, Sachsen und Preußen – und auf Wunsch des Grafen von Anfang an auch den Ausflüglern; 1936 wurde dort das erste Fernsehsignal in Böhmen empfangen. Bei Jetřichovice (Dittersbach) wurde 1856 ein Felsen zu Ehren der Fürstin Marie Anna Kinsky „Marienfelsen“ getauft.

Eisenbahn und Industrie

Am 6. April 1851 fuhr der erste durchgehende Zug von Dresden nach Bodenbach (Podmokly) – die Strecke durchs Elbtal ist bis heute die Bahnlinie Dresden–Prag. Bodenbach wuchs zum Verkehrsknoten aus Bahn, Straße und Elbhafen und wurde 1901 Stadt; um 1900 zählten Tetschen und Bodenbach je etwa 10.000 Einwohner, meist deutschsprachig. In Tetschen entstanden ab 1802 Spinnereien und später Fabriken für Papier, Knöpfe und Chemie; über die Elbe spannte sich die Kaiserin-Elisabeth-Kettenbrücke. Erst 1942 wurden Tetschen und Bodenbach zu einer Stadt vereinigt.

Der Kaiser in Tetschen

Vom 8. bis 10. Juni 1854 besuchte Kaiser Franz Joseph mit der jungen Kaiserin Elisabeth – „Sisi“ – Schloss Tetschen; beim Staatsbankett trafen Österreich, Preußen und Sachsen zusammen. Ein Sohn des Schlosses, Leo Thun-Hohenstein, war damals in Wien Minister für Cultus und Unterricht.

1918: Das Ende der Monarchie und Deutschböhmen

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs zerfiel Österreich-Ungarn. Die deutschsprachigen Gebiete Nordböhmens riefen am 29. Oktober 1918 die Provinz Deutschböhmen aus und wollten zu Österreich gehören. Doch ab dem 13. November 1918 besetzte tschechoslowakisches Militär das Gebiet, und die Landesregierung floh im Dezember nach Wien – die Böhmische Schweiz gehörte nun zur Tschechoslowakei.

Stand: 10/2026

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