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Bielatal-Geschichte
Das stille Tal hat einiges erlebt: 1836 überfiel eine Räuberbande aus Böhmen die heutige Ottomühle, in Höhlen wie dem Schwedenloch versteckten sich die Leute in Kriegszeiten, 1639 brannten die Schweden Hermsdorf und den Hammer Reichstein nieder, und 1813 lagen Napoleons Soldaten ringsum auf den Höhen. Dazu kommen eine Höhleninschrift, die sich als Fälschung entpuppte, und eine Grenze, um die jahrhundertelang gerungen wurde.
Der Überfall auf die Ottomühle 1836
In der Nacht zum 23. September 1836 drangen etwa acht bewaffnete Männer über die Brettmühle in die Mühle von Samuel Geißler ein – die heutige Ottomühle. Sie waren gut gekleidet und sprachen böhmischen Dialekt. Den ältesten Sohn schlugen sie bewusstlos und fesselten ihn, den Müller misshandelten sie schwer, den jüngsten Sohn verletzten sie mit Messerstichen lebensgefährlich. Die Tochter blieb verschont, weil sie um Gnade flehte. Dann durchwühlten die Räuber das Haus und nahmen Geld, Schmuck und Kleider mit.
Die Jagd nach den Räubern
Das Justizamt Pirna machte den Überfall im „Pirnaer Anzeiger“ bekannt und setzte 200 Taler Belohnung für Hinweise aus. Ob die Täter je gefasst wurden, weiß man nicht. Damals trieben im Grenzland Räuber- und Schmugglerbanden ihr Unwesen, etwa die „Pschüraer Bande“ aus der Gegend von Tetschen mit dem Wahlspruch „Den Reichen zum Trutz und den Armen zum Nutz“ – ob sie es war, ist aber nicht belegt. Wiederentdeckt hat die Geschichte der Sebnitzer Heimatforscher Manfred Schober.
Wie die Ottomühle zu ihrem Namen kam
Im 18. Jahrhundert hieß die Mühle auch „Zaunknechtsmühle“, 1836 nach ihrem Besitzer Geißler'sche Mühle. Um 1880 kam sie an die Familie Otto – daher Ottomühle. 1886 öffnete eine Gastwirtschaft, 1910 entstand das heutige Gasthaus mit Veranda; das hölzerne Mühlrad mit vier Metern Durchmesser wurde 1973/74 abgebaut. Zu DDR-Zeiten war das Haus Ferienheim der Handwerkskammer, nach langem Leerstand öffnete es 2004 wieder.
Die Bennohöhle und ihre falsche Inschrift
Südlich der Ottomühle liegt am Abzweig des Glasergrunds die Bennohöhle, eine rund 35 Meter lange Klufthöhle zwischen Sandsteinblöcken. 1824 machten sie der Oberförster Puttrich, der Wormsmüller Ehrlich und der Schweizermüller Geißler für Besucher zugänglich. An der Rückwand steht „M.v.Donjn 1401. Benno“ neben einem Kelch – angeblich hatte sich hier ein Dohna in der Dohnaischen Fehde versteckt. Doch die Inschrift ist eine Fälschung, wohl von den Erschließern selbst: Die Ziffer 4 ist in moderner Schreibweise gemeißelt.
Verstecke in Kriegszeiten
Gleich neben der Bennohöhle liegen Schwedenloch und Eisloch, in dem sich selbst im Juni noch Schnee halten kann. In Kriegszeiten versteckten sich die Leute dort mit ihrer Habe – an wen der Name Schwedenloch erinnert, verrät er selbst. Unweit der Schweizermühle gibt es ein Franzosenloch, an der Grenze die Zwergenhöhle, die schon im 16. Jahrhundert auf Karten steht. Die tiefste ist die erst um 1967 entdeckte Tiefe Höhle – 22 Meter tief, nur für Kletterer und Höhlenforscher.
Die Grenze zu Böhmen
Rosenthal gehörte lange zu Böhmen: 1356 nennt es die erzbischöfliche Kanzlei in Prag, 1456 beschreibt eine Urkunde erstmals die Grenze zwischen der sächsischen Pflege Königstein und dem böhmischen „dorffe Rosentall“. 1459 legte der Vertrag von Eger die Grenze fest – eine der ältesten bis heute bestehenden Grenzen Europas –, 1503 kam Rosenthal durch einen Ländertausch zwischen Sachsen und Böhmen endgültig an Sachsen – die Tauschurkunde nennt es „Rozmital“. Das Hammergut am Neidberg war schon vorher sächsisch und damit der letzte sächsische Posten vor Böhmen. Die Forstgrenzsteine mit gekreuzten Schwertern im Wald stammen aus der Zeit nach 1781, als der Kurfürst die Grenze genau vermessen ließ.
Der Dreißigjährige Krieg
Im Dreißigjährigen Krieg traf es das Tal schwer: 1639 zerstörten schwedische Truppen das Vorwerk Hermsdorf, durch das die „Hohe Straße“ nach Böhmen führte, und brandschatzten den Hammer Reichstein; er wurde erst 1660 wieder aufgebaut. Drüben in Böhmen hatten schon 1631 kroatische Truppen Tyssa niedergebrannt, die Schweden plünderten danach, was übrig war.
Napoleon, Napoleonstein und die Kosaken 1813
Im September 1813 lag ein großes französisches Lager auf der Breiten Heide bei Langenhennersdorf, gesichert durch Schanzen – Reste heißen heute „Franzosenschanzen“. Napoleon selbst war in diesen Tagen ganz nah: in Liebstadt, Breitenau, auf der Nollendorfer Höhe, in Gießhübel und Pirna. Vom Napoleonstein soll er seine Truppen beobachtet haben, und eine Kanonenkugel soll ihn knapp verfehlt haben – das ist Überlieferung. Belegt ist dagegen: 1813 plünderten Kosaken Rosenthal und seine Kirche schwer.
Streit um Holz, Wasser und Lumpen
Die Hammerwerke brauchten Unmengen Holz – und das gehörte dem Kurfürsten. Der Hochofen an der Oberhütte wurde 1726 wegen Holzmangels stillgelegt, und auch in Brausenstein endete das Feuer im 18. Jahrhundert, als die neue Forstpolitik den Wald schonte. Unten in Hütten gab es 1577 einen Rechtsstreit: Der Freiberger Papiermacher Hieronymus Schaffhirt verklagte Georg Schwarz, weil dessen neue Papiermühle in seinem Gebiet Lumpen sammelte. Und immer wieder kam die Biela selbst – mit Hochwassern 1552, 1617, 1897 und im August 2002.
Das erste Gipfelbuch der Welt
Klettergeschichte schrieb das Tal auch: Am 13. August 1891 bestieg Oscar Schuster allein als Erster den später nach ihm benannten Schusterturm im Bielatal. Als er 1893 mit Fritz Böhme wieder oben stand, legte er ein „Fremdenbuch in Blechhülse“ aus – wohl das erste Gipfelbuch der Welt. Heute zählt das Bielatal 239 Klettergipfel.
Stand: 10/2026
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