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Altstadt Pirna – Geschichte und Sagen
Pirna, das „Tor zur Sächsischen Schweiz“, wurde 1233 erstmals urkundlich erwähnt und ist 1245 schon als Stadt belegt. Die Altstadt am linken Elbufer misst nur etwa 500 mal 300 Meter, die Gassen laufen fast rechtwinklig. Seit 1990 wurde sie aufwendig saniert – heute prägen Sandsteinportale, Erker und alte Kaufmannshäuser das Bild, besonders bekannt sind Teufels- und Engelserker.
Elbhandel und Sandstein
Reich wurde Pirna durch die Elbe: 1325 bestätigte König Johann von Böhmen der Stadt ihre Privilegien, vor allem das Stapelrecht – durchreisende Händler mussten ihre Waren hier anbieten. So kontrollierte Pirna den Flusshandel und den Handel mit Elbsandstein. Die Schifftorvorstadt, in der Schiffer und Fischer lebten, gilt als möglicherweise ältester Siedlungsteil; schwedische Truppen brannten sie 1639 fast ganz nieder.
Stadtkirche St. Marien und Rathaus
Der 60 Meter hohe Turm von St. Marien entstand von 1466 bis 1479, die spätgotische Hallenkirche von 1502 bis 1546 – zuerst unter Peter Ulrich, genannt Peter von Pirna. Schauen Sie nach oben: Im Netzgewölbe winden sich Schleifen- und Astrippen, dazu Deckenmalereien um 1546 und ein Sandsteinaltar von 1609 bis 1612. Das Rathaus mitten auf dem Markt wird 1386 erstmals erwähnt; an seiner Uhr schlagen zwei Löwen die Stunden.
Tetzel, Kloster und Canaletto
Um 1465 wurde in Pirna Johann Tetzel geboren – der Ablassprediger, gegen den sich Martin Luther wandte. Als sein Geburtshaus gilt das Tetzelhaus in der Schmiedestraße 19 mit einer Bohlenstube von 1381. Im ehemaligen Dominikanerkloster zeigt seit 1923 das Stadtmuseum seine Sammlungen. Bernardo Bellotto, genannt Canaletto, malte ab 1753 elf große Ansichten von Pirna – seinen Marktplatz erkennen Sie heute fast unverändert wieder.
Hochwasser 2002
Im August 2002 traf die Altstadt ein Rekordhochwasser: Am frühen Morgen des 17. August erreichte der Pegel Pirna 10,45 Meter. Im Juni 2013 stieg die Elbe noch einmal auf 9,67 Meter. Hochwassermarken an vielen Häusern erinnern an beide Fluten – achten Sie beim Rundgang einmal darauf.
Sage Der Birnbaum
Nach einer Sage stand Pirna ursprünglich gar nicht an der Elbe, sondern als Ort „Mannewitz“ am Hausberg bei Krietzschwitz; erst später wurde die Siedlung an den Fluss verlegt. Ihren Namen soll die Stadt von einem großen Birnbaum haben, der dort stand.
Sage Kaiser Rudolfs Dank
1267 soll Graf Rudolf von Habsburg auf der Durchreise in Pirna knapp bei Kasse gewesen sein und den Rat um 200 Schock Geld gebeten haben – die Pirnaer liehen es dem Fremden. Als er fünf Jahre später Kaiser war, kam er selbst zurück, zahlte alles zurück und schenkte der Stadt Freiheiten: Jede Pirnaer Braut sollte aus der kaiserlichen Kasse eine Mitgift bekommen. „Wie sie in meiner Not mein Vater gewesen, will ich auch ihr Vater sein“, soll er gesagt haben.
Sage Die Türmerstochter
1532 starben in Pirna an der Pest rund 1400 Menschen, und die Sage gab einer jungen Frau die Schuld: Die schöne, eitle Tochter des Türmers ließ sich von einem reichen Ungarn verführen, der sie bald sitzen ließ. Jahre später kam er zurück, tat freundlich und hinterließ ihr ein Kästchen mit einem prachtvollen roten Tuch. Stolz zeigte sie sich damit auf der Gasse – doch im Tuch steckte die Pest, die er ihr aus Rache gebracht hatte. Sie starb als Erste.
Sage Der Mönch Antonius und sein Schwein
Um 1488 soll ein Bettelmönch namens Antonius in Pirna jedes Jahr ein Schwein aufgezogen haben. Er hängte ihm ein Glöckchen um und ließ es durch die Stadt laufen. Hörten die Bürger das Bimmeln, hieß es: „Wir müssen Herrn Antonius’ Schwein auch etwas geben“ – mal ein Butterbrot, mal etwas anderes. Mönch und Schwein ging es prächtig.
Sage Der Erlpeter
Westlich von Pirna quillt der Gesundheitsbrunnen: Ein Hirtenjunge mit Hautausschlag soll davon getrunken und sich gewaschen haben und danach die reinste Haut gehabt haben. Als man später Geld für das Wasser nehmen wollte, versiegte die Quelle beinahe. Über dem Brunnen stand eine steinerne Figur, der „Erlpeter“, mit einer Flasche unter dem Arm, aus der das Wasser lief – mit dem Spruch, wer kein Geld in der Tasche habe, trinke umsonst aus seiner Flasche. Ab etwa 1670 gab es jedes Jahr nach Pfingsten ein fröhliches Brunnenfest.
Verbindungen zu anderen Orten
Über der Stadt steht Schloss Sonnenstein, heute Sitz des Landratsamts; die Gedenkstätte erinnert daran, dass die Nationalsozialisten dort 1940 und 1941 mindestens 14.751 Menschen ermordeten. Bellotto malte als Dresdner Hofmaler auch den berühmten Canaletto-Blick auf Dresden und 1757/58 fünf Ansichten der Festung Königstein. Mit der S-Bahn S1 sind Sie von Pirna aus schnell in Dresden, Meißen oder Bad Schandau.
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Stand: 09/2026
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