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Yenidze – Geschichte
Wer mit dem Zug nach Dresden kommt, sieht sie kurz vor dem Hauptbahnhof: ein Gebäude wie eine Moschee, mit Minarett und bunter Glaskuppel. Es ist aber eine ehemalige Zigarettenfabrik – die Yenidze, gebaut 1907 bis 1909 für Hugo Zietz und seine „Orientalische Tabak- und Cigarettenfabrik Yenidze“. Den Namen gab ein Tabakort im damals osmanischen Norden Griechenlands; welcher genau, wird unterschiedlich angegeben.
Warum eine Fabrik wie eine Moschee aussieht
In der Dresdner Innenstadt durften keine Gebäude stehen, die man als Fabrik erkannte. Der Architekt Martin Hammitzsch machte daraus einen Vorteil: Er gab dem Bau die Gestalt einer Moschee – angeblich nach einem Grabmal in Kairo – und versteckte den Fabrikschornstein im Minarett. Zugleich war das Werbung für die Hausmarke „Salem Aleikum“; vor dem Krieg begrüßte eine Leuchtreklame die Bahnreisenden. Dresdner nannten sie „Tabakmoschee“.
Technik und Kuppel
Hinter der orientalischen Fassade steckt moderne Technik: ein Skelett aus Stahlbeton, berechnet vom Betonpionier Benno Löser – einer der frühen Bauten dieser Art in Deutschland. Das Gebäude ist 62 Meter hoch, die Kuppel 20 Meter, verglast in Smaragd- und Rubintönen mit goldener Spitze; nachts leuchtet sie von innen. Rund 600 verschiedene Fenster hat der Bau. Unter der Kuppel ruhten sich einst die Arbeiter aus, auf fünf Etagen wurden Zigaretten gedreht.
Der Architekt Martin Hammitzsch
Martin Hammitzsch, 1878 in Plauen bei Dresden geboren, wurde wegen des Moschee-Baus aus einem Architektenverband ausgeschlossen. Später machte er politisch Karriere: Er war Stadtverordneter, trat 1935 der NSDAP bei und wurde Regierungsdirektor im sächsischen Innenministerium. 1936 heiratete er Angela Raubal, die Halbschwester Adolf Hitlers. Er starb im Mai 1945 in Oberwiesenthal.
Reemtsma, Krieg und DDR
1924 kaufte der Reemtsma-Konzern die Fabrik. Im Februar 1945 wurden Südflügel und Kuppel schwer beschädigt; nach dem Krieg lief die Zigarettenproduktion noch bis 1953 weiter. In der DDR diente der Bau als Lager für Rohtabak und als Verwaltung des volkseigenen Tabakhandels.
Rettung, Märchenlesungen und heute
Nach 1990 kaufte ein Immobilienfonds das Gebäude und ließ es von 1994 bis 1997 für rund 75 Millionen Mark sanieren: Der Südflügel wurde wieder aufgebaut, die Kuppel bekam 860 Quadratmeter farbiges Glas nach alten Vorgaben zurück. Heute ist die Yenidze ein Bürohaus. Gäste können ins Kuppelrestaurant und im Sommer auf die Dachterrasse in rund 60 Metern Höhe. Von 1997 bis 2020 gab es in der Glaskuppel Märchenlesungen mit Geschichten aus 1001 Nacht – diese Märchenlesungen gibt es heute nicht mehr.
Stand: 10/2026
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