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Schloss Děčín – Geschichte und Sagen

Schloss Děčín (Tetschen) steht auf einem Felsen über der Elbe am Eingang des Elbsandsteingebirges. Aus einer frühmittelalterlichen Burg wurde ein großes Barockschloss; von 1628 bis 1932 gehörte es den Grafen Thun-Hohenstein. Nach Jahrzehnten als Kaserne – zuletzt für sowjetische Truppen bis 1991 – hat die Stadt Děčín es restauriert.

Von der Elbburg zum Barockschloss

Wahrscheinlich Ende des 10. Jahrhunderts bauten die Přemysliden hier eine Burg zur Kontrolle der Elbschifffahrt; um 1305 kam sie an die Wartenberger. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gehörte sie der sächsischen Familie von Bünau, die sie zum Renaissanceschloss umbaute. 1628, mitten im Dreißigjährigen Krieg, mussten die evangelischen Bünaus an die Thun-Hohenstein verkaufen, die im 17. Jahrhundert die 292 Meter lange „Lange Fahrt“ und den Rosengarten anlegen ließen.

Chopin und die Kaiserin

Im September 1835 war Frédéric Chopin fünf Tage zu Gast und spielte hier seinen Walzer As-Dur Opus 34 Nummer 1, der als „Tetschner Walzer“ bekannt ist – gewidmet der Gräfin Josephine von Thun-Hohenstein. Vom 8. bis 10. Juni 1854 kamen Kaiser Franz Joseph und die frisch verheiratete Kaiserin Elisabeth zu einem Staatsbankett, zusammen mit den Monarchen von Preußen und Sachsen.

Barock und Klassizismus

Im späten 17. Jahrhundert ließ Maximilian Thun das Schloss im Hochbarock umbauen – damals entstanden die Lange Fahrt, der Rosengarten, die Reitbahn und die Schlosskirche zur Kreuzerhöhung. Von 1786 bis 1803 folgte der klassizistische Umbau unter Josef Václav Kosch: Ältere Bauten wurden abgerissen, das Schloss wurde zu einem geschlossenen Ensemble mit dem schlanken Uhrturm zur Elbe hin. So sieht es bis heute aus.

Der Tetschener Altar

Graf Franz Anton Thun kaufte 1808 Caspar David Friedrichs berühmtes Bild „Das Kreuz im Gebirge“ für seine Frau Theresia Maria – daher der Name „Tetschener Altar“. Lange hieß es, das Bild sei für die Schlosskapelle bestellt worden; das hat die Forschung 1977 widerlegt. Es hing im Schlafzimmer der Gräfin, neben einer Kopie von Raffaels Sixtinischer Madonna. 1921 kaufte Dresden das Bild – heute hängt es in der Galerie Neue Meister.

Leo Thun und die Bibliothek

Im Schloss wurde 1811 Leo Thun-Hohenstein geboren, der als österreichischer Minister für Cultus und Unterricht von 1849 bis 1860 die Universitäten modernisierte und protestantische und jüdische Gelehrte zuließ. Die Bibliothek der Thuns umfasste über 65.000 Bände; 1930 verkauft und nach 1945 verstreut, kamen 2018 rund 4.000 Bände ins Schloss zurück – sie sind auf dem zweiten Besichtigungsrundgang zu sehen.

Die Gärten

Der Rosengarten entstand Ende des 17. Jahrhunderts als barocker Beetgarten mit Skulpturen, Wasserkanälen und Brunnen; 1881 legte Gärtner Franz Josst ein Rosarium an, 1887 blühten dort 87 Sorten. Nach einer Komplettsanierung mit rund 700 Rosen und der restaurierten Sala terrena ist er seit dem 21. März 2026 wieder offen. In den Südgärten mit dem Teepavillon von 1737 standen einst 18 beheizte Gewächshäuser – 1852 blühte hier die Riesenseerose Victoria regia zum ersten Mal auf dem europäischen Festland. Heute laufen dort Pfauen umher.

Kaserne und Wiedergeburt

1932 verkauften die Thuns das Schloss an den tschechoslowakischen Staat; ab 1934 war es Kaserne – für Grenztruppen, dann die Wehrmacht, die tschechoslowakische Armee und von 1968 bis 1991 die sowjetische Armee, teils als Lazarett. Seit 1991 gehört es der Stadt Děčín, die es Schritt für Schritt restauriert. Heute sind hier auch eine Ausstellung des Regionalmuseums und das Kreisarchiv.

Sage Der Bünau im Boot

Rudolf von Bünau, protestantischer Herr auf Tetschen, musste 1630 seines Glaubens wegen Böhmen verlassen. Er setzte sich mit seiner Familie in ein Boot, ließ es elbabwärts treiben und gelobte: Wo das Schiff von selbst am meißnischen Ufer anlegt, will ich bleiben. Es legte bei Prossen an, gleich bei Königstein. Bünau kaufte Schloss und Gut Prossen und lebte dort bis zu seinem Tod 1654.

Verbindungen zu anderen Orten

Die Wartenberger von Tetschen besaßen zeitweise auch den Schreckenstein und Tollenstein; einer von ihnen hielt 1436 die Burg Arnstein in der Sächsischen Schweiz als Pfand. Mit den Bünaus regierte in Tetschen dieselbe Familie, der Weesenstein, Kuckuckstein und Lauenstein gehörten. Das Jagdschlösschen Christianenburg an der Grenze beim Schneeberg gehörte zur Herrschaft Tetschen der Thuns.

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