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Fürstenzug
Der Fürstenzug in Dresden ist ein 101,9 Meter langes Bild an der Außenwand des Stallhofs in der Augustusstraße, zwischen Schlossplatz und Frauenkirche. Es zeigt in einem Reiterzug die Herrscher Sachsens aus dem Haus Wettin – von Markgraf Konrad dem Großen (ab 1127) bis König Georg (1902–1904) – und gilt als größtes Porzellanbild der Welt: rund 23.000 Fliesen aus Meißner Porzellan, frei zugänglich und kostenlos.
Vom Kratzputz zum Porzellan
Zum 800-jährigen Jubiläum des Hauses Wettin entwarf der Maler Wilhelm Walther den Zug; ab 1868 zeichnete er ihn in voller Länge mit Kohle vor und führte ihn 1872 bis 1876 als Sgraffito – in Kratzputz – an die Wand. Schon nach rund 30 Jahren war das Bild verwittert. Deshalb übertrug die Porzellan-Manufaktur Meissen es 1904 bis 1907 auf Fliesen von 20,5 × 20,5 Zentimetern, gebrannt bei 1.380 Grad. Im August 1907 war die Montage fertig.
Wer im Zug reitet
Insgesamt sind 94 Personen dargestellt, dazu 45 Pferde und zwei Windhunde: 35 Markgrafen, Herzöge, Kurfürsten und Könige und 59 weitere Figuren – Wissenschaftler, Künstler, Handwerker, Soldaten, Kinder und Bauern. Unter allen gibt es nur eine einzige weibliche Figur, ein Mädchen. Am Ende des Zuges hat sich Wilhelm Walther selbst gemalt, zusammen mit Künstlern seiner Zeit – darunter Ludwig Richter, den Maler der Sächsischen Schweiz.
Kleine Entdeckungen
Unter den Pferdehufen liegen Symbole, die zum jeweiligen Herrscher passen: Disteln, Eichenlaub, Lorbeer, Lutherrosen, Tulpen und Kaiserkronen. Das Pferd Augusts des Starken tritt auf eine Rose – im Volksmund heißt es, für die gebrochenen Herzen seiner Geliebten; das ist eine Deutung, keine belegte Absicht des Malers. Das ganze Bild ist wie ein Wandteppich gestaltet, oben mit gemalten Befestigungsknöpfen, unten mit Quasten.
Die Bombennacht 1945
Als Dresden in der Nacht zum 14. Februar 1945 unterging, überstand der Fürstenzug das Inferno weitgehend. Schäden kamen von Bombensplittern und Ruß. Bei der Restaurierung 1978/79 wurden 212 Fliesen ersetzt und 442 ausgebessert.
Unsere Fürsten im Zug
Einige Reiter im Zug haben direkt mit unserer Gegend zu tun: Kurfürst August ließ ab 1563 den 152,5 Meter tiefen Brunnen der Festung Königstein graben, Kurfürst Christian I. befahl 1589 ihren Ausbau zur stärksten Festung Sachsens, und August der Starke ließ dort 1722 bis 1725 das Königsteiner Riesenfass bauen. Wer auf der Festung war, erkennt sie im Fürstenzug wieder.
Besuch
Der Fürstenzug liegt an der Augustusstraße 1 und reicht vom Georgentor am Schloss bis zum Johanneum am Neumarkt – auf dem Weg vom Schlossplatz zur Frauenkirche kommen Sie direkt vorbei. Er ist jederzeit frei zugänglich. Mit der S-Bahn S1 ab Pirna oder Königstein bis Dresden Hauptbahnhof oder Mitte, weiter mit der Straßenbahn bis Postplatz oder Theaterplatz. Wer mehr wissen möchte: In Dresden gibt es eigene Fürstenzug-Führungen.
Stand: 10/2026
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