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Friedrich Gottlob Keller

Friedrich Gottlob Keller, geboren am 27. Juni 1816 in Hainichen, gestorben am 8. September 1895 in Krippen an der Elbe, hat den Holzschliff erfunden – das Verfahren, mit dem bis heute aus Holz Papier wird. Vorher brauchte man dafür Lumpen, und die waren knapp und teuer. Reich geworden ist Keller damit nie. Seine letzten mehr als vierzig Jahre lebte er in Krippen bei Bad Schandau, dort liegt er auch begraben. Nicht zu verwechseln mit dem Schweizer Dichter Gottfried Keller.

Wie die Erfindung entstand

Keller war Weber und Blattbinder wie sein Vater. Um 1841/42 schrieb er in sein Ideenbuch, man müsse „Papier fertigen von Holzfasern, welche durch Friction erzeugt werden“ – also Holz an einem Schleifstein zu Fasern reiben. Als Anregung gelten Wespennester, die aus zerkauten Holzfasern bestehen; erzählt wird auch, er habe sich erinnert, wie er als Kind Kirschkerne auf einem Schleifstein schliff. Ende 1843 gelang ihm Papier aus Holzschliff und Lumpen. Am 11. Oktober 1845 erschien in Frankenberg eine Zeitungsausgabe auf diesem Papier.

Um den Lohn gebracht

Für 700 Taler überließ Keller die Sache dem Papiermacher Heinrich Voelter aus Bautzen, der das Patent anmeldete; als Keller 1852 die Verlängerungsgebühr nicht zahlen konnte, gehörten die Rechte allein Voelter. Mit Johann Matthäus Voith entwickelte Voelter die Schleifmaschinen weiter – daraus wuchs die Firma Voith, die es heute noch gibt. Keller selbst scheiterte mit einer Mühle in Kühnhaide im Erzgebirge, die ein Hochwasser beschädigte. Erst ab 1870 bekam er Geld von dankbaren Holzschleifern, nach einem Aufruf 1892 eine kleine Rente, 1893 einen sächsischen Orden und die Ehrenbürgerschaft von Hainichen. Zu Jahr und Art des Patents widersprechen sich die Quellen.

Die Jahre in Krippen

1853 zog Keller nach Krippen und arbeitete dort als Mechaniker. Er erfand weiter – eine Steinbearbeitungsmaschine und Bleistiftspitzer, für die er 1881 bis 1884 Reichspatente bekam –, aber auch das brachte ihm kaum etwas ein. Deutsche Papiermacher halfen ihm 1870 mit Geld für ein Haus. Sein Wohnhaus steht in der Friedrich-Gottlob-Keller-Straße 76; davor erinnert ein großer Holzschleifer der Firma Voith als technisches Denkmal an ihn. Sein Grab liegt auf dem Waldfriedhof Krippen, am Elberadweg gibt es eine Gedenkstätte mit Büste, und eine Aussicht bei Krippen heißt Kellerfelsen.

Holzschleifereien in der Sächsischen Schweiz

Kellers Erfindung verbreitete sich gerade hier, wo es viel Holz und Wasserkraft gab. Die Neumannmühle im Kirnitzschtal war ab 1870 auch eine Holzschleiferei; seit 1996 ist sie technisches Denkmal und gilt als die älteste im Original erhaltene Anlage dieser Art. Und aus Holzschliff machte Robert Sputh im Sebnitztal ab 1892 den Bierdeckel.

Stand: 10/2026

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