Deutsch · English · Français · Čeština · Nederlands · Polski · Italiano
Burgen auf Vulkanfelsen
Das Böhmische Mittelgebirge (České středohoří) ist eine alte Vulkanlandschaft: Vor etwa 40 bis 20 Millionen Jahren drang Magma durch die Ablagerungen der Kreidezeit. Die Erosion hat die weichen Gesteine ringsum abgetragen – übrig blieben die harten Schlote aus Basalt oder Phonolith (Klingstein, tschechisch „znělec“, weil er beim Anschlagen hell klingt), die heute als steile Kegel aus der Landschaft ragen. Für die Burgenbauer des Mittelalters waren sie ideal: steile Hänge, weite Sicht über Elbe und Handelswege, und das Baumaterial lag gleich vor Ort. Die schönsten Burgen darauf: Schreckenstein, Hasenburg, Wostrey, Kostial, Kamaik, Wopparn, Kostenblatt, Tollenstein, Bösig und Trosky – und auf sächsischer Seite Stolpen.
Schreckenstein (Střekov)
Die Burg Schreckenstein steht auf einer Phonolithwand rund 100 m über dem rechten Elbufer in Ústí nad Labem. König Johann von Luxemburg ließ sie 1316–1319 bauen, um den Handelsweg auf der Elbe zu sichern; später gehörte sie den Wartenbergern und den Lobkowicz. Im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg schwer beschädigt, verfiel sie – und wurde von den Romantikern berühmt gemacht: Richard Wagner arbeitete hier 1842 am „Tannhäuser“, und Ludwig Richters „Überfahrt am Schreckenstein“ hängt in der Galerie Neue Meister in Dresden. Heute gehört die Ruine wieder den Lobkowicz und kann besichtigt werden. Vom Bielatal etwa 35 km über Petrovice.
Hasenburg (Hazmburk)
Die Hasenburg krönt einen 418 m hohen Basaltberg bei Klapý und ist schon von Weitem zu erkennen. Gegründet wurde sie im 13. Jahrhundert; ab 1335 gehörte sie Zbyněk Zajíc von Waldeck – „zajíc“ heißt Hase, daher der Name. Die Hussiten belagerten sie mehrmals, eingenommen haben sie sie nie; 1586 wird sie als „wüst“ bezeichnet. Bis heute stehen zwei Türme: der 25 m hohe Schwarze Turm aus dunklem Basalt, später Gefängnis, und der 26 m hohe Weiße Turm mit hellem Sandstein-Oberteil, heute Aussichtsturm. Vom Bielatal etwa 75 km.
Wostrey (Ostrý)
Auf einem spitzen, frei stehenden Kegel aus Basalt (553 m) bei Milešov liegt die Ruine Wostrey. Václav Kaplíř von Sulevice baute die Burg um 1433, in den letzten Jahren der Hussitenkriege, und legte sie ganz auf diese unruhige Zeit aus. Schon 1565 wird sie als verlassen erwähnt. Erhalten sind Mauern, Bastionen, Tore und Reste des Palas – und der Blick hinüber zum Milleschauer (Milešovka) ist herrlich. Vom Bielatal etwa 55 km.
Kostial (Košťálov)
Die Ruine Košťálov steht auf einem felsigen Basaltgipfel von gut 481 m bei Třebenice. Wer die Burg im 14. Jahrhundert gebaut hat, ist unklar; 1372 ist erstmals ein Besitzer belegt, später gehörte sie den Zajíc von Hasenburg und den Kaplíř. 1422 belagerten die Hussiten sie vergeblich. Heute ragt nur noch die Ruine des Wohnturms auf dem Gipfel empor. Vom Bielatal etwa 65 km.
Kamaik (Kamýk)
Hoch über dem rechten Elbufer bei Litoměřice thront der Rest der Burg Kamaik auf einem steilen Basaltkegel. 1319 gab König Johann von Luxemburg sie an Heinrich von Kamýk; sie soll den Elbzoll gesichert haben. Im Dreißigjährigen Krieg plünderten sächsische Truppen die Burg, danach verfiel sie. Erhalten ist vor allem ein Teil des fünfeckigen Wohnturms; die Ruine ist frei zugänglich, aber nicht gepflegt – Vorsicht beim Klettern. Vom Bielatal etwa 55 km.
Wopparn (Oparno)
Die Burg Oparno steht auf einem schmalen Felsgrat über dem romantischen Oparno-Tal, einem Ausläufer des Basaltbergs Lovoš bei Lovosice. Sie gehörte den Herren von Vchynice, aus denen später das Geschlecht Kinsky hervorging; 1344 baute Smil von Vchynice hier Wohnräume, und schon um 1530 heißt die Burg „wüst“. Erhalten sind kräftige Mauern und gewölbte Keller. Die Ruine liegt am Wanderweg „Goldener Pfad des Burgenlands“ (Zlatá stezka Zemí hradů, 93 km von Budyně nach Úštěk und Ronov). Vom Bielatal etwa 55 km.
Kelch (Kalich)
Der Kalich über Třebušín ist eine Hussitenburg: Jan Žižka ließ sie nach 1421 auf dem 538 m hohen Berg errichten, der Name „Kelch“ steht für das Symbol der Hussiten. Ganz streng genommen kein Basalt: Die Burgseite nennt den Berg einen Trachyt-Hügel – ebenfalls ein Vulkangestein. Gegen Ende des 15. oder Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Burg verlassen; heute sieht man Wälle, Mauerreste und einen Torbau. Vom Bielatal etwa 60 km.
Kostenblatt (Kostomlaty pod Milešovkou)
Die Burg Kostomlaty steht auf einem Phonolithberg am Fuß des Milleschauers. Die Herren von Osek bauten sie in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, vermutlich an der Stelle einer älteren slawischen Burg; 1335 gehörte sie Markgraf Karl, dem späteren Kaiser Karl IV. Im 16. Jahrhundert wurde sie aufgegeben. Heute kümmert sich ein Verein um die Ruine, die ganzjährig frei zugänglich ist. Vom Bielatal etwa 50 km über Teplice.
Tollenstein (Tolštejn)
Im Lausitzer Gebirge bei Jiřetín pod Jedlovou steht die Burg Tollenstein auf einem mächtigen, rund 30 Millionen Jahre alten Phonolithgang mit schönen Säulen. Sie wird 1337 erstmals erwähnt und sicherte den Handelsweg zwischen Böhmen und der Oberlausitz; Besitzer waren die Wartenberger, die Berka von Dubá und ab 1481 die sächsischen Schleinitz. 1642 brannten die Schweden sie nieder. Seit der Romantik gibt es oben eine Berggaststätte, und von der Aussichtsplattform auf 670 m blickt man weit über Nordböhmen. Vom Bielatal etwa 60 km.
Bösig (Bezděz)
Hoch über dem Mácha-See erheben sich die beiden Vulkangipfel Großer (603 m) und Kleiner Bösig – geologisch Trachyt mit Übergang zum Phonolith. König Přemysl Ottokar II. ließ die Burg ab 1264 bauen; 1279 hielt Otto von Brandenburg hier den jungen König Wenzel II. fest. Später war der Bösig ein Wallfahrtsort mit Kloster. Die Burg zählt zu den besterhaltenen des 13. Jahrhunderts in Böhmen und kann besichtigt werden. Vom Bielatal etwa 95 km – ein langer Tagesausflug.
Trosky
Das Wahrzeichen des Böhmischen Paradieses steht auf zwei Basaltschloten: auf dem niedrigeren der Turm „Baba“ (die Alte), auf dem höheren der Turm „Panna“ (die Jungfrau). Čeněk von Wartenberg gründete die Burg in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts; in den Hussitenkriegen war sie ein katholischer Stützpunkt, 1648 brannte das kaiserliche Heer sie nieder. Heute kann man sie besichtigen. Vom Bielatal etwa 150 km – eher etwas für einen eigenen Ausflugstag.
Zum Vergleich: Burg Stolpen in Sachsen
Auch auf sächsischer Seite steht eine Burg auf Basalt: Stolpen. Ihr Berg ist der Rest eines Vulkans, der vor etwa 25 Millionen Jahren den Granit durchbrach. 1546 verwendete Georgius Agricola hier erstmals das Wort „Basalt“ – der Stolpener Burgberg gilt deshalb als Typuslokalität aller Basalte der Welt. Gebaut ist die Burg aus den Basaltsäulen vom Ort, und ihr über 84 m tiefer Brunnen gilt als tiefster Basaltbrunnen der Erde. Vom Bielatal etwa 40 km über Pirna.
Stand: 10/2026
Fragen Sie TOURsten weiter
TOURsten erzählt gern weiter, findet die passende Wanderung und plant mit Ihnen den Urlaubstag – kostenlos und in sieben Sprachen.
TOURsten fragen