Deutsch · English · Français · Čeština · Nederlands · Polski · Italiano
Bergbau
Rund um das Bielatal wurde jahrhundertelang Bergbau getrieben – und jedes Revier förderte etwas anderes: in Berggießhübel Eisenerz, das „Pirnisch Eisen“, das in den Hämmern an der Biela geschmiedet wurde, auch hier auf dem Hammergut; in Altenberg und Zinnwald über 550 Jahre lang Zinn; am Hohen Schneeberg in Böhmen bis 1993 Flussspat; und gleich nebenan in Leupoldishain baute die Wismut zu DDR-Zeiten Uran ab. Erzählen kann ich Ihnen zu jedem Revier etwas.
Berggießhübel und das Pirnisch Eisen
In Berggießhübel, eine Viertelstunde von uns, ist der Erzbergbau 1388 erstmals urkundlich bezeugt – wann er wirklich begann, weiß niemand genau. Abgebaut wurde Magneteisenerz, und das Eisen daraus galt im 16. Jahrhundert als „Pirnisch Eisen“ als Qualitätsware: Der Chronist Petrus Albinus schrieb 1589, das vortrefflichste Eisen werde in Lauenstein und Berggießhübel gemacht. Verkauft wurde es über die Eisenkammer in Pirna, die von 1472 bis 1686 das Handelsmonopol hatte. Seinen Namen hat der Ort von den Gießhütten, in denen das Erz geschmolzen wurde.
Blütezeit um 1600
Um 1600, vor dem Dreißigjährigen Krieg, waren rund um Berggießhübel etwa 90 Gruben, Stollen und Schächte in Betrieb, mit rund 300 Bergleuten; ein Grubenriss von 1607 verzeichnet allein 51 Gruben. Über 40 Hammerwerke und Gießhütten verarbeiteten das Erz zu bis zu 1.000 Tonnen Eisen im Jahr. Der Dreißigjährige Krieg brachte den Einbruch.
Vom Erz zum Hammer im Bielatal
Das Erz aus Berggießhübel kam über die alten Eisenstraßen ins Bielatal, wo die Biela die Wasserräder der Hochöfen und Hämmer trieb: Oberhütte bei Rosenthal, Brausenstein, Neidberg, Reichstein und weiter unten Hütten. Der Hochofen Brausenstein von 1693 steht bis heute – der einzige erhaltene Hochofen des ganzen Pirnisch-Eisen-Reviers, nur ein kurzes Stück flussaufwärts von uns. Und unser Haus trägt den Bergbau im Namen: 1792 erhielt der Hammermeister Andreas Lugur aus Lohmen die Erlaubnis, auf der „Hammer-Wercks-Stätte des Hammergutes Neidberg“ einen Zeug-, Eisen- und Waffenhammer zu errichten.
Kanonenkugeln und Eisenkunstguss
Um 1520 begann Hans Rabe in Giesenstein bei Berggießhübel, Eisen in Formen zu gießen – das gilt als Anfang des sächsischen Eisenkunstgusses; 1541 verlegte er seine Gießerei nach Hütten im Bielatal. Gegossen wurden auch Geschützkugeln: Der Hochofen Brausenstein lieferte 1704 Kanonenkugeln an das Zeughaus in Dresden.
Marie Louise Stolln und das Ende in Berggießhübel
Ab 1726 trieben die Bergleute den Friedrich-Erbstolln in den Berg; um 1870 benannte ihn der Magdeburger Industrielle Hermann Gruson nach seiner ältesten Tochter in „Marie Louise Stolln“ um. Unter Gruson kam noch einmal eine kurze Blüte – im besten Jahr 1875 rund 14.000 Tonnen Erz –, doch 1892 war die Lagerstätte erschöpft. Letzte Erkundungsversuche endeten 1942. Heute ist der Stolln Besucherbergwerk, und in den alten Gängen überwintern Fledermäuse.
Vom Bergwerk zum Kurort
1717 entdeckte man in Berggießhübel eine Eisen- und Schwefelquelle, 1722 entstand das Johann-Georgen-Bad – das Wasser floss aus einem Stollen der Bergleute. So wurde aus der Bergstadt nach und nach ein Kurort; den Titel „Kurort Berggießhübel“ trägt sie bis heute.
Altenberg, das Zinn und die Pinge
Um 1440 fanden böhmische Bergleute aus Graupen bei Altenberg Zinn, 1451 bekam der Ort Stadtrecht. Über 550 Jahre wurde der „Zwitterstock“ ausgehöhlt – bis 1620 der Berg einbrach: Daraus wurde die Altenberger Pinge, heute rund 400 Meter breit und gut 150 Meter tief. Insgesamt holte man rund 37 Millionen Tonnen Erz und mehr als 100.000 Tonnen Zinn aus dem Berg. Am 28. März 1991 fuhr der „Letzte Hunt“ – seitdem ist Schluss.
Zinnwald und das Welterbe
In Zinnwald wurde seit dem 15. Jahrhundert Zinn abgebaut, später auch Wolfram und ab 1890 der lithiumhaltige Glimmer, der nach dem Ort „Zinnwaldit“ heißt. Seit 1992 kann man im Besucherbergwerk „Vereinigt Zwitterfeld“ unter Tage gehen. Seit dem 6. Juli 2019 gehört die Bergbaulandschaft Altenberg-Zinnwald – Pinge, Zinnwäsche, Arno-Lippmann-Schacht – zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří, ebenso das mittelalterliche Silberbergwerk in Dippoldiswalde und auf böhmischer Seite die Bergbaulandschaft Krupka mit dem Mückentürmchen.
Flussspat am Hohen Schneeberg
Der Hohe Schneeberg ist ein Sandsteinberg und kein Erzberg – und doch wurde an seinem Fuß bis 1993 Bergbau getrieben, auf Flussspat. 1953 fand man südlich des Dorfes Schneeberg (Sněžník) den Gang; von 1955 bis zum Ende 1993 holten die Bergleute rund 203.000 Tonnen Fluorit-Erz heraus und gruben dabei 21 Kilometer Stollen. Beim Abbau stießen sie in den 1980er-Jahren auf natürliche Höhlen im Sandstein, die Fluorithöhlen – seit 1999 Naturdenkmal und nur an wenigen Tagen im Jahr mit Anmeldung zu besichtigen.
Uran in Leupoldishain
Zwischen Königstein und dem Bielatal, in Leupoldishain, lag ein Uranbergwerk der SDAG Wismut, der Bergbaubetrieb Königstein: 1961 begann die Erkundung, 1963 fand man die Lagerstätte im Sandstein, ab 1967 wurde gefördert. Zeitweise arbeiteten über 2.200 Menschen hier, und bis Ende 1990 kamen rund 18.000 Tonnen Uran zusammen. Für das Dorf hatte das Folgen: Die Naturbühne von 1959 musste schon 1964 wegen des Bergbaus schließen.
Stand: 10/2026
Fragen Sie TOURsten weiter
TOURsten erzählt gern weiter, findet die passende Wanderung und plant mit Ihnen den Urlaubstag – kostenlos und in sieben Sprachen.
TOURsten fragen