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Schloss Sonnenstein – Geschichte

Schloss Sonnenstein thront über der Altstadt von Pirna und der Elbe. Es war nacheinander Burg, Festung, eine vorbildliche Heilanstalt und in den Jahren 1940 und 1941 eine Tötungsanstalt der Nationalsozialisten – daran erinnert heute die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein. Seit 2011 hat hier das Landratsamt des Landkreises seinen Sitz.

Grenzburg zwischen Böhmen und Meißen

Schon im 10. Jahrhundert siedelten hier Slawen; die Burg über der Elbfurt entstand vermutlich um 1200. Erstmals erwähnt wird sie am 5. Dezember 1269 in einer Urkunde Markgraf Heinrichs des Erlauchten, der der Burgkapelle fünf Mark Silber aus dem Elbzoll zusprach – Pirna selbst ist schon 1233 belegt. 1291 kamen Burg und Stadt an den Meißner Bischof, von 1293 bis 1405 gehörten sie der böhmischen Krone. Kaiser Karl IV. war ab 1348 mehrfach hier, 1351 tagte ein Fürstentag, und 1372 regelte der Vertrag von Pirna erstmals die Grenze zwischen Böhmen und Meißen. 1405 kam die Burg endgültig an die Wettiner; bald darauf taucht der Name „Sonnenstein“ auf. Es folgten ein Turnier 1459, der Neubau der Kemenate 1470 bis 1473 und ein schwerer Brand 1486.

Festung und Staatsgefängnis

Herzog Moritz ließ die Burg 1544 bis 1548 zum „festen Haus“ ausbauen, Kurfürst August plante 1570 bis 1573 einen großen Neubau, und Christian I. nutzte sie ab 1588 als Jagdlager; 1604 kam ein Lusthaus hinzu. Im Dreißigjährigen Krieg bot der Sonnenstein böhmischen Glaubensflüchtlingen Zuflucht und hielt 1636 und 1639 den Schweden stand. Ab 1668 wurde er zur Landesfestung ausgebaut – mit Schlossschänke (1678), Zwingermauer (1683–1685) und Elbkaserne (1737–1740) –, und die Alte Kemenate diente von 1700 bis 1756 neben dem Königstein als wichtigstes Staatsgefängnis Sachsens. Canaletto malte den Sonnenstein 1752 bis 1755. Im Siebenjährigen Krieg besetzten ihn 1756 die Preußen, 1758 kapitulierte er nach Beschuss; 1764 wurde die Festung aufgegeben, und bis 1810 wohnten Veteranen in den Gebäuden.

Die Heilanstalt

1811 eröffnete auf dem Sonnenstein eine Heil- und Pflegeanstalt für psychisch kranke Menschen – eine der ersten großen in Deutschland. Ihr erster Direktor Ernst Gottlob Pienitz setzte auf eine menschliche Betreuung und machte die Anstalt international bekannt. 1813 vertrieben französische Truppen die Patienten, die Gebäude wurden bei der Belagerung schwer beschädigt; ab 1826 war hier eine Genesungsanstalt. Neubauten 1855 bis 1875, der Abbruch der Alten Kemenate 1862 und eine große Erweiterung 1890 bis 1913 prägen den Berg bis heute – dazu die Anstaltskirche um 1902, der Kreistagsflügel am neu gestalteten Schlosshof 1905 bis 1907 und der Canalettoweg von 1911. 1939 wurde die Anstalt aufgelöst.

Die NS-Verbrechen und das Gedenken

Von Ende Juni 1940 bis August 1941 ermordeten die Nationalsozialisten auf dem Sonnenstein im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“ nach Angaben der Stiftung Sächsische Gedenkstätten 13720 psychisch kranke und behinderte Menschen, darunter etwa 700 Kinder und Jugendliche; einschließlich später ermordeter KZ-Häftlinge werden rund 15000 Opfer genannt. Die Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein erinnert an sie; ein Gedenkraum erzählt stellvertretend die Geschichte von 22 Menschen.

Vom Lager zum Landratsamt

Von 1941 bis 1945 war auf dem Sonnenstein eine Adolf-Hitler-Schule untergebracht. Nach dem Krieg folgten ein großes Flüchtlingslager, das Landratsamt und eine Polizeischule, von 1949 bis 1953 eine Schule der Kasernierten Volkspolizei und von 1954 bis 1991 ein Industriebetrieb für Strömungsmaschinen. Seit 1991 sind große Teile des Geländes öffentlich zugänglich – mit Behindertenwerkstatt, Förderschule und Gewerbe. 2009 bis 2011 wurde das Schloss zum Verwaltungssitz umgebaut; seit Dezember 2011 sitzen hier das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und der Kreistag. Zum Jubiläum „750 Jahre Ersterwähnung“ 2019 zeigte der Archivverbund ein Faksimile der Urkunde von 1269.

Stand: 10/2026

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