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Rudolf Sendig

Rudolf Sendig (1848–1928) machte aus dem Städtchen Schandau einen Kurort von Rang. Er kam 1871 als Koch hierher und baute ein kleines Hotelreich auf – Villa Quisisana, Königsvilla, Kurhaus, Sendigpark. Oben auf der Ostrauer Scheibe ließ er ab 1903 eine Kolonie hölzerner Landhäuser errichten, und damit seine Gäste bequem hinaufkamen, bezahlte er den Personenaufzug, der bis heute fährt.

Vom Koch zum Hotelkönig

Emil Friedrich Rudolf Sendig wurde 1848 in Breslau geboren, sein Vater stammte aus einer Dresdner Kaufmannsfamilie. 1871 kam er nach Schandau und arbeitete als Koch im Hotel „Forsthaus“, dann im „Deutschen Haus“. 1876 richtete er sein erstes Logierhaus ein, 1880 entstand die Villa Quisisana im Stil der italienischen Renaissance – „Sendigs Hotel Quisisana“. 1882 pachtete er das neue Kurhaus und ließ vom Gartenbauingenieur Bertram den Sendigpark anlegen; 1887/88 folgte die prächtige Königsvilla. Später führte er auch den „Europäischen Hof“ in Dresden.

Ehrenbürger und Brunnenstifter

Zu seinem 25-jährigen Wirken in Schandau schenkte Sendig der Stadt 1896 den Sendigbrunnen auf dem Markt. Die Postelwitzer Straße wurde in Rudolf-Sendig-Straße umbenannt, und er wurde Ehrenbürger. Er schrieb sogar Bücher über sein Fach – etwa „Im Hotel. Diskrete Indiskretionen“ (1920). Sendig starb 1928 in Bad Schandau und liegt auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden. Seine Villa Quisisana heißt heute „Villa Sendig“ und gehört mit der Königsvilla zum Parkhotel Bad Schandau.

Die Landhäuser auf der Ostrauer Scheibe

Ab 1903 entstand oben in Ostrau, über der Stadt, eine Villenkolonie – „Neuschandau“ genannt. Das Besondere: Die Häuser sind Fertighäuser aus Holz, geliefert von der Firma Witt aus Osterwieck im Harz, im Landhausstil mit Holzverkleidung, Erkern, Balkonen und Dachtürmchen. Angeregt hatten Sendig Schweizer Landhäuser; er selbst nannte sie „meine lieblichen Landhäuser“. Sie reihen sich am Ostrauer Ring, das Haus Nr. 12 steht ausdrücklich unter Denkmalschutz. Die Stadt sagt, Sendig habe damit den Grundstein für den Tourismus in Ostrau gelegt.

Der Personenaufzug

Damit Gäste ohne Mühe zu seinen Landhäusern kamen, regte Sendig einen Aufzug an und bezahlte ihn: Der stählerne Jugendstilturm wurde 1904 gebaut und am Karsamstag 1905 eingeweiht – gut 50 Meter hoch, in weniger als einer Minute überwindet die Kabine fast 48 Höhenmeter, oben führt eine 28 Meter lange Brücke auf die Ostrauer Scheibe. Anfangs bekam er im Sommer seinen Strom aus der Oberleitung der Kirnitzschtalbahn. Seit 1954 steht er unter Denkmalschutz, und Filmfans kennen ihn aus „The Grand Budapest Hotel“.

Der Weltsportplatz, der nie kam

Sendig dachte noch größer: Auf der Ostrauer Scheibe plante er einen „Weltsportplatz“ für internationale Wettkämpfe – laut Parkhotel sogar mit einer Luftschiffhalle, laut MDR mit einem Landeplatz für Ballone. Die Verluste im Ersten Weltkrieg machten den Plan zunichte. Ostrau selbst ist übrigens viel älter: Es wird 1446 als „Ostre“ erwähnt, war ein Waldhufendorf und kam 1934 zu Bad Schandau.

Stand: 10/2026

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