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Johann Tetzel – Geschichte und Sagen

Johann Tetzel war der berühmteste – und berüchtigtste – Ablassprediger seiner Zeit: Seine Predigten 1517 bei Jüterbog brachten Martin Luther dazu, seine 95 Thesen zu schreiben, und damit begann die Reformation. Nach der Überlieferung des Tetzelhauses kam er um 1465 in Pirna zur Welt, als Sohn des Fuhrmanns Matthias Tetzel; ganz sicher ist das nicht, eine ältere Biographie nennt Leipzig um 1460. In Pirna steht in der Schmiedestraße 19 das Haus, das als sein Geburtshaus gilt.

Vom Mönch zum Ablassprediger

Um 1480 zog die Familie nach Leipzig. Tetzel studierte dort, wurde 1487 Baccalaureus und trat 1489 in das Dominikanerkloster St. Pauli ein. Ab etwa 1504 predigte er Ablässe, und 1517 machte ihn Erzbischof Albrecht von Mainz zu seinem Generalsubkommissar: Das Geld sollte unter anderem in den Neubau des Petersdoms in Rom fließen. Auch Wittenberger Bürger liefen über die Grenze nach Jüterbog, um bei ihm Ablassbriefe zu kaufen – das berichtet Luther selbst.

Wenn das Geld im Kasten klingt

Berühmt ist der Spruch „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt“. Ob Tetzel ihn wirklich so gesagt hat, ist umstritten: Der Satz taucht schon 1484 in einem Streit an der Pariser Sorbonne auf und ist in mehreren Fassungen überliefert. Die Seite des Tetzelhauses weist außerdem darauf hin, dass die meisten Ablässe im späten Mittelalter gar kein Geld kosteten.

Sage Der Ritter und der Ablassbrief

Die bekannteste Anekdote erzählt von einem schlauen Ritter, meist Hans von Hake genannt: Er ließ sich von Tetzel einen Ablass für eine Sünde verkaufen, die er erst noch begehen wollte. Bald darauf überfiel er Tetzel in der Heide bei Jüterbog, nahm ihm die Geldkiste ab – und zeigte zur Entschuldigung seinen Ablassbrief vor. Historisch belegt ist das nicht. Eine Kiste, der „Tetzelkasten“, steht noch heute in der Nikolaikirche in Jüterbog.

Tetzels Ende

Nach dem Thesenanschlag wurde Tetzel zur Zielscheibe des Spotts und zog sich ins Leipziger Kloster zurück. Er starb im Sommer 1519 in Leipzig an der Pest – nach den meisten Angaben am 11. August, eine ältere Biographie nennt den 4. Juli – und wurde in der Paulinerkirche begraben. Bemerkenswert: Luther schrieb dem kranken Gegner vorher einen Trostbrief.

Das Tetzelhaus in Pirna

Das Tetzelhaus in der Schmiedestraße 19 wurde nach 1381 errichtet – das belegt eine Altersbestimmung des Tannenholzes – und gilt als ältestes bis zur Dachspitze erhaltenes Bürgerhaus Sachsens. Die Kellergewölbe sollen sogar romanisch sein. Innen steckt eine Bohlenstube von 1381 im böhmischen Stil, denn Pirna gehörte damals zu Böhmen; außen eine Renaissancefassade und eine seltene Dachdeckung aus „Mönch und Nonne“-Ziegeln. Von 1731 bis 1901 arbeiteten hier sieben Lohgerber nacheinander, Gerbergruben und Trockengestelle sind erhalten. 1993 bis 1998 wurde das Haus aufwendig saniert.

Stand: 10/2026

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