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Böhmische Geschichte
Nur wenige Kilometer hinter dem Hammergut beginnt Böhmen – und die Geschichte Böhmens und der tschechischen Seite ist eng mit unserer verwoben. Slawische Stämme siedelten ab dem 6. Jahrhundert an der Elbe, die Přemysliden machten Böhmen zum Königreich, Kaiser Karl IV. regierte von Prag aus das Heilige Römische Reich, und lange gehörten sogar Pirna und Königstein zur böhmischen Krone. Es folgten Hussitenkriege, fast 400 Jahre Habsburger, 1918 die Tschechoslowakei, die schweren Jahre 1938 bis 1946, der Kommunismus, 1989 die Samtene Revolution und 1993 die friedliche Trennung von der Slowakei. Heute ist die Grenze offen – man wandert einfach hinüber. Soll ich von vorn erzählen?
Slawische Stämme an der Elbe
Ab etwa 550 n. Chr. wanderten slawische Gruppen in das böhmische Becken ein; im 7. Jahrhundert schlossen sie sich einem Stammesbund unter dem Franken Samo an, der 658 starb. Wer heute von der Sächsischen Schweiz elbaufwärts fährt, durchquert ehemalige Stammesgebiete, die aus der Grenzbeschreibung des Bistums Prag bekannt sind, überliefert vom Chronisten Cosmas: Genannt werden unter anderem die Dasena – meist mit den Děčanen um Tetschen/Děčín gleichgesetzt –, die Liutomerici um Leitmeritz, die Lemuzi, die Lučanen und die Pšovanen. Die Urkunde trägt das Datum 1086, beschreibt nach heutiger Deutung aber die Verhältnisse um 973; die Datierung ist umstritten.
Lučanen, Leitmeritzer und die Přemysliden
Laut Cosmas lebten die Lučanen im Nordwesten Böhmens und grenzten bei Lovosice an das Gebiet der Leitmeritzer. Er erzählt von einem Krieg der Lučanen gegen die Tschechen unter Fürst Neklan, den die Lučanen verloren – eine halb sagenhafte Geschichte, die erst um 1100 aufgeschrieben wurde. Sicher ist: Die Prager Přemysliden brachten im 10. Jahrhundert die einzelnen Stämme nach und nach unter ihre Herrschaft und regierten bis etwa 995 ganz Böhmen.
Großmähren, Christianisierung und der heilige Wenzel
Im 9. Jahrhundert stand Böhmen unter dem Einfluss des Großmährischen Reiches. Der Přemyslide Bořivoj I. ließ sich 874 von Erzbischof Method taufen und gilt als erster christlicher Herzog Böhmens; 895 lösten sich die böhmischen Fürsten von Mähren und schworen dem ostfränkischen König Arnolf die Treue. Herzog Wenzel, der spätere Landespatron, wurde ermordet – die Quellen nennen 929 oder 935. Mit dem Bistum Prag (973) war das Christentum im Land fest verankert.
Tetschen: Grenzburg über der Elbfurt
Im Talkessel von Děčín/Tetschen siedelten schon in der jüngeren Bronzezeit Menschen. Im 10. Jahrhundert legten die Přemysliden auf dem Felsen des heutigen Schlosses eine hölzerne Befestigung an, die eine wichtige Elbfurt und die Schifffahrt kontrollierte; erstmals erwähnt wird die Burg 1128. Im 13. Jahrhundert entstand eine Steinburg – nach tschechischer Darstellung um 1249 unter Hermann von Schönburg im Auftrag König Wenzels I.
Leitmeritz: Kirchenzentrum des Nordens
Leitmeritz/Litoměřice trägt den Namen der slawischen Litoměřici und wurde schon im 10. Jahrhundert zu einem befestigten Verwaltungszentrum der Přemysliden. Um 1057 ließ Herzog Spytihněv II. auf dem Burgberg die steinerne St.-Stephans-Kirche bauen und gründete ein Kollegiatstift, das unter anderem Einnahmen aus dem Elbzoll erhielt. Um 1225 wurde die Stadt planmäßig um einen Marktplatz angelegt; Getreidehandel, Obst- und Weinbau machten sie wohlhabend – bis heute heißt die Gegend „Garten Böhmens“.
Königreich, Ottokar II. und deutsche Siedler
Ottokar I. Přemysl erhielt 1198 die Königswürde, und am 26. September 1212 machte die „Sizilische Goldene Bulle“ Friedrichs II. sie erblich. Unter Ottokar II. (König 1253–1278) erreichte Böhmen seine größte Ausdehnung. Im 12. und 13. Jahrhundert warben die Přemysliden Siedler aus Bayern, Franken, Obersachsen und Schlesien an, vor allem für die Grenzgebiete – so wurde auch die Böhmische Schweiz erst ab dem 12. Jahrhundert von deutschsprachigen Bauern erschlossen. Ottokar II. fiel 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut gegen Rudolf von Habsburg.
Aussig, Graupen und Peterswald
Aussig/Ústí nad Labem wird 993 als Handelsplatz an der Elbe erwähnt und wurde im 13. Jahrhundert königliche Stadt mit Magdeburger Recht. Am Erzgebirgsrand entstand wahrscheinlich um 1300 die Burg Graupen/Krupka – 1330 erstmals belegt –, die die Zinngruben und den Handelsweg nach Sachsen schützte. Peterswald/Petrovice an der alten Passstraße nach Sachsen, heute der Grenzübergang hinter Bahratal, wird 1352 erstmals genannt, damals im Besitz der Herren von Wartenberg.
Als Pirna und Königstein böhmisch waren
Was heute sächsisch ist, gehörte im Mittelalter lange zur Krone Böhmens. 1241 siegelte König Wenzel I. „in lapide regis“ – „auf dem Stein des Königs“ –, daraus wurde der Name Königstein. Pirna kam 1293 an Böhmen. Erst im Zuge der Dohnaischen Fehde fielen Pirna 1404/05 und Königstein 1408 an die Markgrafen von Meißen, endgültig besiegelt 1459 im Vertrag von Eger.
Karl IV.: Prag als Kaiserstadt
Karl IV. aus dem Haus Luxemburg, geboren 1316 in Prag, wurde 1346 römisch-deutscher König, 1347 König von Böhmen und 1355 Kaiser. Prag machte er zur Kaiserresidenz und zu einem Zentrum Europas: 1348 gründete er die Universität und ließ den Veitsdom und die Karlsbrücke bauen. Die Goldene Bulle von 1356 regelte die Königswahl und blieb bis 1806 Grundgesetz des Reiches – der König von Böhmen war einer der sieben Kurfürsten. Unter Karl gehörten Pirna und Königstein noch zu Böhmen, und die Elbe verband sein Königreich mit dem Handel flussabwärts.
Jan Hus und die Hussiten an der Elbe
Der Prager Reformprediger Jan Hus wurde am 6. Juli 1415 auf dem Konstanzer Konzil als Ketzer verbrannt. Der Prager Fenstersturz von 1419 löste die Hussitenkriege aus, die erst mit den Kompaktaten 1433/1436 endeten. Jan Žižka belagerte 1420 Leitmeritz, die Burg Graupen wurde 1429 zerstört, und auf ihren Feldzügen nach Sachsen äscherten die Hussiten 1429 große Teile Dresdens ein, darunter Altendresden.
Die Schlacht bei Aussig 1426
Ab dem 26. Mai 1426 belagerten die Hussiten Aussig. Ein sächsisch-thüringisches Entsatzheer sollte die Stadt befreien, und am 16. Juni 1426 trafen beide Heere auf der Anhöhe Na Běhání vor der Stadt aufeinander. Die Sachsen erlitten eine vernichtende Niederlage – die Zahlen gehen weit auseinander, belegt sind rund 500 gefallene Adlige, darunter der Meißner Burggraf Heinrich II. Aussig ergab sich am folgenden Tag und wurde zerstört; fünf Wochen später vertrieben die Sachsen die Hussiten wieder.
Wartenberger, Felsenburgen und Raubritter
1305/06 gab König Wenzel III. die Burg Tetschen den Herren von Wartenberg, die sie bis 1511 hielten. Die Felsenburg Šaunštejn (Schauenstein) in der Böhmischen Schweiz bauten Ende des 14. Jahrhunderts die Berka von Dubá; ab 1435 gehörte sie den Wartenbergern, die von dort Raubzüge unternahmen. Daraufhin belagerten die Wettiner und der Oberlausitzer Sechsstädtebund die Burg mehrfach und zerstörten sie. Auch eine Wartenberger Burg bei Tyssa/Tisá ging in den Hussitenkriegen unter.
Georg von Podiebrad und die Grenze von 1459
Georg von Podiebrad, ein gemäßigter Hussit, wurde 1458 zum König von Böhmen gewählt. Am 25. April 1459 schloss er mit den sächsischen Wettinern den Vertrag von Eger: Die Grenze verlief nun „auf der Höhe des Erzgebirges und der Mitte der Elbe“, Pirna, Königstein und Dohna blieben bei Sachsen. Diese Grenze gilt bis heute größtenteils – sie gehört zu den ältesten Europas. Besiegelt wurde der Vertrag mit einer Heirat: Podiebrads Tochter Sidonie (Zdeňka) wurde die Frau Albrechts des Beherzten, des Stammvaters der albertinischen Wettiner.
Jagiellonen und der Weg zu den Habsburgern
Nach Podiebrads Tod wählten die Stände 1471 den Jagiellonen Vladislav II. zum König, der 1490 auch König von Ungarn wurde. In Tetschen wechselten die Herren: 1511 die Trčka, 1515 die Salhausen, 1534 die sächsischen Herren von Bünau. Als Vladislavs Sohn Ludwig II. am 29. August 1526 in der Schlacht bei Mohács gegen die Osmanen fiel, wählten die böhmischen Stände am 22. Oktober 1526 Ferdinand I. von Habsburg zum König – der Beginn von fast 400 Jahren Habsburgerherrschaft.
Habsburger und sächsische Adelsherren
Unter den Habsburgern gaben im Grenzland an der Elbe oft sächsische Adelsfamilien den Ton an: Die Herren von Bünau bauten die Burg Tetschen im 16. Jahrhundert zum Renaissanceschloss um und errichteten 1554–1557 bei Tyssa das Schloss Schönstein mit evangelischer Kirche und Schule. Über diese Verbindungen verbreitete sich das Luthertum auch in Aussig. 1609 sicherte Kaiser Rudolf II. den Protestanten im Majestätsbrief Religionsfreiheit zu.
Ständeaufstand und Weißer Berg
Mit dem Prager Fenstersturz 1618 erhoben sich die überwiegend protestantischen böhmischen Stände gegen die Habsburger und wählten Friedrich V. von der Pfalz zum König. Am 8. November 1620 unterlagen sie in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag – die erste große Schlacht des Dreißigjährigen Krieges. Der „Winterkönig“ floh, am 21. Juni 1621 wurden auf dem Altstädter Ring 27 Anführer hingerichtet, und mit der Verneuerten Landesordnung von 1627 wurde Böhmen Erbmonarchie und wieder katholisch.
Dreißigjähriger Krieg im Grenzland
Der Krieg traf die Grenzorte hart: 1631 brannten kroatische Truppen Tyssa und Schönstein nieder, im selben Jahr plünderten Schweden; Schönstein wurde nie wieder aufgebaut. Auch Aussig wurde ab 1631 mehrfach von sächsischen und schwedischen Truppen heimgesucht. Die protestantischen Bünaus mussten Tetschen 1628 an die katholischen Grafen von Thun verkaufen, denen das Schloss danach rund 300 Jahre gehörte; Herrnskretschen (Hřensko) kam an die Fürsten Clary-Aldringen.
Exulanten: Glaubensflüchtlinge in Sachsen
Wer nicht katholisch werden wollte, musste Böhmen verlassen – geschätzt rund 150.000 Menschen gingen aus den habsburgischen Ländern ins Exil, die meisten aus Böhmen. Viele flohen ins benachbarte Kursachsen, und die Grenzstadt Pirna wurde zum ersten Zentrum: 1629 hielten sich dort über 2.000 protestantische Flüchtlinge auf. Die tschechischsprachige Exulantengemeinde zog später nach Dresden weiter, und nach dem Krieg entstanden eigene Exulantenstädte wie Johanngeorgenstadt.
1813: Napoleon in Peterswald
Im Befreiungskrieg 1813 wurde das Grenzgebirge zwischen Pirna und Teplitz zum Kriegsschauplatz. Russische Truppen lagerten in Peterswald und wurden von den Franzosen unter General Vandamme verfolgt; Napoleon selbst übernachtete dreimal in Peterswald, und Plünderungen verwüsteten den Ort. Am 30. August 1813 wurde das benachbarte Nollendorf (Nakléřov) durch die Schlacht bei Kulm und Nollendorf bekannt.
Kaiserreich, 1848 und Industrie an der Elbe
Seit 1804 gehörte Böhmen zum Kaisertum Österreich, ab 1867 als Kronland Österreich-Ungarns – das Kaiserreich, dessen Spuren man in der Böhmischen Schweiz noch heute sieht (dazu erzähle ich gern mehr über die Kaiserzeit). Im Revolutionsjahr 1848 tagte in Prag der Slawenkongress; der Prager Pfingstaufstand wurde niedergeschlagen, die Bauernbefreiung blieb. Danach wurde Aussig zum Industriezentrum: Kohle, um 1850/51 die Eisenbahn nach Prag und Dresden, ab 1856 eines der wichtigsten Chemieunternehmen Europas und ein großer Elbhafen. In Peterswald und Tyssa lebten viele Menschen von Weberei und Knopfherstellung.
1918: Die Tschechoslowakei entsteht
Mit dem Zerfall Österreich-Ungarns wurde am 28. Oktober 1918 in Prag die Tschechoslowakei ausgerufen; am 14. November wurde Tomáš Garrigue Masaryk ihr Präsident. Die rund 3,5 Millionen Deutschen in den Grenzgebieten wollten zu Deutschösterreich gehören und riefen am 29. Oktober die Provinzen „Deutschböhmen“ und „Sudetenland“ aus; ab dem 13. November besetzte die tschechoslowakische Armee diese Gebiete. Die junge Republik blieb eine stabile Demokratie, ab 1926 saßen auch deutsche Minister in der Regierung – in der Weltwirtschaftskrise wurde 1935 jedoch die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins stärkste Partei.
Münchner Abkommen und Protektorat
In der Nacht vom 29. auf den 30. September 1938 unterzeichneten Hitler, Chamberlain, Daladier und Mussolini das Münchner Abkommen – ohne die Tschechoslowakei. Ab dem 1. Oktober 1938 marschierte die Wehrmacht in die Grenzgebiete ein; Aussig, Tetschen, Tyssa und Peterswald wurden Teil des Deutschen Reiches. Am 15. März 1939 besetzte Deutschland auch das übrige tschechische Gebiet und errichtete das „Protektorat Böhmen und Mähren“. Mit dem Prager Vertrag von 1973 erklärte die Bundesrepublik das Münchner Abkommen für nichtig.
1945: Kriegsende und Vertreibung
Nach Kriegsende mussten die Deutschen das Land verlassen: Bei den „wilden Vertreibungen“ von Mai bis Juli 1945 waren es etwa 750.000 Menschen, ab Januar 1946 wurden rund 2,26 Millionen organisiert ausgesiedelt. Grundlage waren unter anderem die Beneš-Dekrete. Nach Schätzungen der Deutsch-Tschechischen Historikerkommission kamen dabei 15.000 bis 30.000 Menschen gewaltsam ums Leben. In Aussig explodierte am 31. Juli 1945 ein Munitionslager, danach wurden deutsche Zivilisten angegriffen und getötet – die Opferzahlen sind bis heute umstritten. Seit 2005 erinnert eine zweisprachige Gedenktafel an der Elbbrücke daran.
Leere Dörfer an der Grenze
Die Vertreibung veränderte die Grenzorte grundlegend. Tyssa hatte 1930 noch 1.867 Einwohner, fast alle deutschsprachig – 2006 waren es 747. Im Kirnitzschtal musste 1946 Hinterdittersbach (Zadní Jetřichovice) geräumt werden, ein früheres Wanderziel mit vier Gaststätten; heute erinnern nur überwachsene Kellerreste und zweisprachige Tafeln daran. Viele Grenzorte wurden neu besiedelt. Wer heute hinüberwandert, entdeckt solche Spuren noch an vielen Stellen.
Kommunismus und Prager Frühling
Mit dem Februarumsturz 1948 übernahmen die Kommunisten die Macht; ab 1960 hieß der Staat Tschechoslowakische Sozialistische Republik (ČSSR). 1968 versuchte die Partei unter Alexander Dubček einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“. In der Nacht zum 21. August 1968 beendeten Truppen des Warschauer Pakts den „Prager Frühling“; die Nationale Volksarmee der DDR stand in Sachsen bereit, marschierte aber nicht ein. Danach zogen sowjetische Soldaten unter anderem ins Schloss Tetschen – sie blieben bis 1991.
1968: Panzer durchs Bielatal
Den Prager Frühling hat man auch im Bielatal gesehen: Nach Angaben der Familie Jäger rollten beim Einmarsch im August 1968 sowjetische Panzer durch das Tal Richtung Grenze. In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 marschierten rund 400.000 Soldaten mit über 6.000 Panzern in die Tschechoslowakei ein. Aus der DDR stießen die sowjetische 20. Gardearmee und die 1. Gardepanzerarmee nach Nordböhmen und Prag vor; ganz in der Nähe fuhren in dieser Nacht zum Beispiel Panzer bei Hřensko gegenüber Schmilka über die Grenze. Die NVA hielt zwei Divisionen bereit, durfte aber nicht mit einmarschieren – zu nah wäre die Erinnerung an 1938/39 gewesen. Am 21. August schloss die DDR ihre Grenzübergänge, unter anderem Zinnwald, Bad Schandau und Schmilka; auf der tschechischen Seite hingen Fahnen auf halbmast und Plakate gegen die „Freunde“, die nachts gekommen waren.
Reiseland der DDR und Herbst 1989
Seit Januar 1972 durften DDR-Bürger nur mit dem Personalausweis in die ČSSR reisen – die Böhmische Schweiz wurde ein beliebtes Ausflugsziel. Im Herbst 1989 suchten Tausende DDR-Bürger Zuflucht in der westdeutschen Botschaft in Prag. Nach Genschers berühmter Ankündigung vom 30. September fuhren ab dem 1. Oktober Sonderzüge über Bad Schandau und Dresden in den Westen – direkt hier durchs Elbtal. Als am 4. und 5. Oktober weitere Züge folgten, drängten Tausende in den Dresdner Hauptbahnhof. Die DDR führte daraufhin für Reisen in die ČSSR die Visumpflicht ein und hob sie am 1. November 1989 wieder auf – wenige Tage vor dem Mauerfall.
Samtene Revolution und Samtene Scheidung
Am 17. November 1989, acht Tage nach dem Mauerfall, löste die Polizei in Prag eine Studentendemonstration gewaltsam auf – der Beginn der „Samtenen Revolution“. Zwei Tage später entstand das Bürgerforum, am 27. November legte ein Generalstreik das Land lahm, und am 29. Dezember 1989 wurde Václav Havel Staatspräsident; ab Dezember wurden die Grenzanlagen abgebaut. Nach den Wahlen 1992 vereinbarten Václav Klaus und Vladimír Mečiar die Trennung, und am 1. Januar 1993 entstanden friedlich zwei Staaten, Tschechien und die Slowakei – obwohl laut Umfragen eine Mehrheit den gemeinsamen Staat behalten wollte.
Neue Nachbarschaft ohne Schlagbaum
Schon 1992 wurde in Ústí nad Labem die Euroregion Elbe/Labe gegründet, die Nordböhmen mit der Sächsischen Schweiz und dem Osterzgebirge verbindet. Tschechien trat 1999 der NATO und am 1. Mai 2004 der EU bei; seit dem 21. Dezember 2007 gibt es keine Grenzkontrollen mehr. Bezahlt wird weiter mit der Tschechischen Krone. In Hřensko und Petrovice prägen heute Grenzmärkte, oft von vietnamesischen Händlern betrieben, das Ortsbild, und seit 2006 hat Petrovice eine eigene Ausfahrt an der Autobahn Prag–Dresden.
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