Deutsch · English · Français · Čeština · Nederlands · Polski · Italiano
Schloss Weesenstein – Geschichte und Sagen
Schloss Weesenstein steht auf einem Felsen über dem Müglitztal, nicht weit von Pirna. Über Jahrhunderte wurde es Schicht um Schicht umgebaut, deshalb mischen sich hier Gotik, Renaissance, Barock und Klassizismus. Heute ist es ein Museum des Freistaats Sachsen – mit ungewöhnlicher Architektur und wertvollen historischen Tapeten.
Die Familie von Bünau
Erstmals erwähnt wird die Burg 1318; sie gehörte damals zur Burggrafschaft Dohna. 1406 übergab Markgraf Wilhelm I. von Meißen sie Günther von Bünau – die Bünaus blieben zwölf Generationen lang bis 1772 und gehörten zu den reichsten Adelsfamilien Sachsens. Zwischen 1526 und 1575 bauten sie die Wehrburg zu einem Wohnschloss um; das Hauptportal von 1575 zählt zu den schönsten Renaissanceportalen Sachsens.
König Johann und der Freund der Wahrheit
1772 kaufte Johanna Christiana von Uckermann das Schloss – für eine Frau damals bemerkenswert; ihr Sohn sammelte unter anderem 9000 Bücher und 700 Mineralien. 1830 erwarb König Anton von Sachsen Weesenstein, berühmtester Besitzer wurde sein Neffe, der spätere König Johann. Unter dem Namen „Philalethes“ – Freund der Wahrheit – veröffentlichte Johann 1849 eine deutsche Übersetzung von Dantes „Göttlicher Komödie“.
Kunstversteck im Krieg
1917 verkaufte das Königshaus das Schloss, 1933 erwarb es der Landesverein Sächsischer Heimatschutz mit Spenden und gründete 1934 das Museum. Ab 1942 lagerten hinter den bis zu vier Meter dicken Mauern Dresdner Kunstschätze, darunter fast das ganze Kupferstich-Kabinett, der Maya-Codex und Werke von Rembrandt und Caspar David Friedrich.
Kurioses
Weesenstein wurde von der Felsspitze aus gewissermaßen von oben nach unten gebaut: Im fünften Stock stößt man auf einen Pferdestall, und jedes fünfte Fenster ist nur aufgemalt. Ab 1517 durften männliche Bünaus nach einem Familiengesetz nur Heinrich, Rudolf oder Günther heißen – eine Sage erklärt das mit drei Rittern, die als einzige eine Schlacht überlebten. Wegen seiner vielen historischen Tapeten nennt man Weesenstein auch das „Tapetenmuseum des Ostens“.
Besuch heute
Auf dem Felsen über der Müglitz erwartet Sie ein Schloss voller verwinkelter Treppen: ein Pferdestall im fünften Stock, aufgemalte Scheinfenster und wertvolle Tapeten in den Wohnräumen des 18. und 19. Jahrhunderts. Höhepunkt ist die barocke Schlosskapelle von 1741. Für Kinder gibt es einen eigenen Audioguide mit der Fledermaus Arabella, und unten im Tal lädt der Barockpark zum Spaziergang ein.
Sage Der Teufel holt den Schlossherrn
Ein früherer Herr von Weesenstein, im Krieg reich geworden und in geheimen Künsten bewandert, soll einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben. Als die Frist ablief, fuhr eines Abends eine Kutsche mit sechs Rappen in den Schlosshof; zwei schwarz gekleidete Herren ließen sich melden, und der Schlossherr stieg wortlos zu ihnen ein. Man hat ihn nie wieder gesehen – die Familie sprach von einer Auslandsreise, das Volk vom Teufel.
Sage Mönchsgang und Nixentumpf
Im Schloss Weesenstein führt hinter der Kirche ein Gang vom Betstübchen zur Orgelempore, der „Mönchsgang“: Dort soll sich bei Tag und Nacht ein Mönch in schwarzer Kutte zeigen, den Kopf unter dem Arm – warum, weiß niemand. Und in einer sumpfigen Wiese unter Falkenhain an der Straße nach Weesenstein tanzten früher nachts die Nixen; man nennt sie den Nixentumpf.
Verbindungen zu anderen Orten
Die Familie von Bünau besaß auch Schloss Kuckuckstein in Liebstadt und Schloss Lauenstein weiter oben im Müglitztal. Ab 1830 gehörte Weesenstein den Wettinern – König Johann ließ ab 1846 auch den Barockgarten Großsedlitz sichern. In der Dohnaischen Fehde floh der Burggraf von Dohna über Weesenstein.
Passende Wanderungen
Stand: 09/2026
Fragen Sie TOURsten weiter
TOURsten erzählt gern weiter, findet die passende Wanderung und plant mit Ihnen den Urlaubstag – kostenlos und in sieben Sprachen.
TOURsten fragen