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Deutsches Hygiene-Museum – Geschichte
Das Deutsche Hygiene-Museum am Großen Garten in Dresden geht auf den Unternehmer Karl August Lingner zurück, der mit dem Mundwasser „Odol“ reich geworden war. Er stieß die I. Internationale Hygiene-Ausstellung 1911 in Dresden an – mehr als fünf Millionen Menschen kamen. Daraus entstand 1912 das Museum, gedacht als „Volksbildungsstätte für Gesundheitspflege“. Heute versteht es sich als „Museum vom Menschen“: über den Körper, die Gesundheit und das Zusammenleben.
Der Bau von Wilhelm Kreis
Das heutige Haus am Lingnerplatz entwarf der Architekt Wilhelm Kreis; eröffnet wurde es 1930 zur II. Internationalen Hygiene-Ausstellung. Es verbindet die klare Sachlichkeit des Bauhauses mit monumentalen, klassischen Formen. Lingner selbst erlebte das nicht mehr – er war schon 1916 gestorben.
Der Gläserne Mensch
Zur Ausstellung 1930 zeigte das Museum seine größte Sensation: den Gläsernen Menschen des Präparators Franz Tschackert. Aus Glas ist er gar nicht – die durchsichtige Haut ist aus dem Kunststoff Cellon, das Skelett aus Aluminium, dazu kommen über 40 Glühlämpchen und mehr als 12 Kilometer feiner Draht für Adern und Nerven; eine Figur kostete rund 1.800 Arbeitsstunden. 1935 folgte die Gläserne Frau – sie ist bis heute das berühmteste Stück des Hauses.
Exportschlager aus Dresden
Die gläsernen Figuren gingen in alle Welt: Nach 1949 baute die Werkstatt laut Wikipedia 56 gläserne Männer und 68 Frauen, dazu Tiere – eine Gläserne Kuh sahen 1959 auf einer Messe in Indien über eine Million Menschen. In der DDR war das Museum zugleich die zentrale Stelle für Gesundheitsaufklärung und drehte Filme, etwa übers Rauchen und – 1989 – den einzigen Aufklärungsfilm der DDR über Aids.
Das dunkle Kapitel
Zur Geschichte gehört auch ein dunkles Kapitel: Schon 1911 gab es eine Abteilung zur „Rassenhygiene“, und nach 1933 wurde das Museum zum Werkzeug der nationalsozialistischen Rassenideologie – mit Ausstellungen wie „Volk und Rasse“ (1934) und „Ewiges Volk“ (1937). Im Februar 1945 zerstörten die Luftangriffe große Teile des Gebäudes. Heute arbeitet das Museum diese Geschichte offen auf, etwa mit der Ausstellung „Tödliche Medizin“ 2006/07 und in der Dauerausstellung.
Lingnerschloss und Mausoleum
Karl August Lingner wohnte ab 1906 in der Villa Stockhausen hoch über der Elbe, die Wilhelm Kreis für ihn umbaute – heute das Lingnerschloss. Er vermachte sie der Stadt mit der Auflage, dort ein bezahlbares Lokal zu betreiben, „kein Etablissement für nur reiche Leute“. Im Park liegt sein Mausoleum, um 1920 nach Plänen von Hans Poelzig gebaut, mit Reliefs von Georg Kolbe.
Verbindungen zu anderen Orten
Gleich hinter dem Museum beginnt der Große Garten. Das Lingnerschloss mit Lingners Grab liegt am Elbhang in Loschwitz, zwischen dem Blauen Wunder und den Elbschlössern. Und Wilhelm Kreis, der Architekt des Museums, hatte schon Lingners Villa umgebaut.
Stand: 10/2026
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