TOURsten TOURstens Wissen

Deutsch · English · Français · Čeština · Nederlands · Polski · Italiano

Barockgarten Großsedlitz – Geschichte

Der Barockgarten Großsedlitz liegt in Heidenau auf einer Anhöhe über dem Elbtal zwischen Dresden und Pirna. Terrassen, zwei Orangerien, rund 60 Sandsteinfiguren und die berühmte Freitreppe „Stille Musik“ machen ihn aus. Er blieb unvollendet – und ist gerade deshalb ein besonderes Zeugnis der Zeit Augusts des Starken.

Wackerbarth und August der Starke

Graf August Christoph von Wackerbarth ließ ab 1719 einen Alterssitz mit Garten anlegen – zeitweise bauten bis zu 1000 Soldaten. 1723 kaufte August der Starke die Anlage, hielt das aber bis 1726 geheim, weil die Staatskasse knapp war. Am 3. August 1727 feierte er hier das Fest des polnischen Weißen-Adler-Ordens. 1732 wurden die Arbeiten eingestellt – nur etwa ein Drittel der geplanten Anlage war fertig.

Stille Musik und Bitterorangen

Die Freitreppe „Stille Musik“ heißt nach den musizierenden Putten, die sie schmücken. Im Winter 1928 auf 1929 erfroren alle Kübelpflanzen, manche noch aus Augusts Zeit; erst 1997 kamen wieder Orangenbäume aus der Toskana. Heute steht hier laut Gartenverwaltung die größte Sammlung von Bitterorangen im deutschsprachigen Raum. Mit Pöppelmann und Longuelune arbeiteten hier dieselben Baumeister wie in Pillnitz und am Zwinger.

Orangerien und goldene Äpfel

Die Obere Orangerie entwarf Johann Christoph Knöffel 1720/21, die längere Untere Orangerie Zacharias Longuelune bis 1727. Früher überwinterten darin bis zu 1.250 Orangenbäume, dazu Myrten, Lorbeer, Granatäpfel und Feigen. Die Zitrusfrüchte standen für die goldenen Äpfel der Hesperiden – also für Herkules und fürstliche Tugend. Heute stehen von Mai bis September die Bitterorangen in Reihen vor der Unteren Orangerie, im Winter ziehen bis zu 400 Kübelpflanzen bei 5 bis 8 Grad ins Haus.

Figuren und Wasserspiele

Über 60 Figuren und Vasen stehen im Garten, 24 davon Originale aus Sandstein: die vier Jahreszeiten, die vier Erdteile, die vier Elemente – wahrscheinlich vom Hofbildhauer Johann Christian Kirchner – und acht mythologische Liebespaare, vermutlich von Johann Benjamin Thomae. Unten im Wald liegt die Waldkaskade mit dem Becken „Steinernes Meer“; sie sollte eine lebendige Wasserachse werden und blieb wie so vieles hier unvollendet. Seit 1995 werden die Figuren behutsam restauriert.

Nach August dem Starken

Im Siebenjährigen Krieg hatten die Preußen hier ein Hauptquartier, und das Schloss wurde schwer beschädigt; 1871 riss man den verfallenen Rest ab und baute ein kleineres Haus, das heutige Friedrichschlösschen mit seinem Café. König Johann ließ den Garten ab 1846 erhalten, 1992 übernahm der Freistaat Sachsen die Anlage und sanierte sie umfassend. Seit 2022 steht der Garten auf der „Roten Liste“ gefährdeter Denkmale – wegen eines geplanten Technologieparks in der Nachbarschaft, der Sichtachsen und Wasserversorgung stören könnte.

Stand: 10/2026

TOURsten

Fragen Sie TOURsten weiter

TOURsten erzählt gern weiter, findet die passende Wanderung und plant mit Ihnen den Urlaubstag – kostenlos und in sieben Sprachen.

TOURsten fragen

← Alle Themen